Laden Kunden ihr Auto zu Hause?

Stromtankstelle in Baunatal kaum genutzt

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Ticket zum Ausleihen: Mit dieser Karte, die Shell-Mitarbeiter Maximilian Behmel zeigt, kann man an der Station Strom tanken.

Baunatal. „Kann ich eine Karte für die Ladestation haben?“ Maximilian Behmel, Mitarbeiter der Shell-Tankstelle in Altenbauna, schaut kurz überrascht, greift aber sofort in die Schublade und holt eine der Magnetkarten hervor, die die Ladestation für Elektromobile freischalten.

Die Überraschung von Behmel ist verständlich: Die im März 2011 von Eon-Mitte-Vertrieb errichtete, von dem Energieversorger mit Ökostrom belieferte und von den Stadtwerken Baunatal betriebene Ladestation wird nur sporadisch genutzt. „Ich arbeite jetzt ein Jahr hier. In dieser Zeit hat mich noch niemand nach der Karte gefragt“, sagt Behmel.

Die Zahlen bestätigen seine Aussage: Ganze 565 Kilowattstunden Strom wurden in den zweieinhalb Jahren seit dem Start der Säule getankt. Diese Zahl nannte die Stadt kürzlich auf eine Anfrage des Grünen-Stadtverordneten Edmund Borschel. Das ist weniger, als die Energieversorgung der Ladestation selbst ausmacht.

Zum Vergleich: Ein Elektroauto verbraucht pro 100 Kilometer je nach Bauart zwischen zehn und 20 Kilowattstunden Strom. Vielleicht laden viele Elektromobilbesitzer ihre Wagen lieber über Nacht an der heimischen Steckdose auf, mutmaßt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises Kassel.  

Die geringe Nutzung der Ladestation ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass im Landkreis Kassel trotz aller ehrgeizigen Pläne, die Elektromobilität voranzubringen, elektrisch betriebene Autos eine Rarität sind. Laut Kühlborn stiegen die Zulassungen von 2011 bis heute von 39 auf 63 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Es bleibt die Hoffnung, dass Behmel in Zukunft doch häufiger in die Schublade mit den Magnetkarten greifen muss: Das Volkswagenwerk Baunatal baut den Antrieb für das neue Elektro-Kleinwagenmodell E-UP und einen Elektro-Golf. Die Stadt Baunatal werde zwei E-UPs anschaffen, sagte Pressesprecher Thomas Briefs. Ein elektrisch betriebener Golf verrichtet schon seinen Dienst im Fuhrpark der Stadt.

Anschub könnte auch von dem vom Regionalmanagement initiierten Projekt „FREE“ kommen, einem Verleihsystem für Elektrofahrzeuge, das vor allem Touristen nutzen sollen. Daran ist auch Eon Mitte beteiligt. Bis Ende dieses Jahres werde man acht weitere Ladesäulen für E-Mobile in Nordhessen aufstellen, hieß es aus dem Unternehmen. Ob auch Baunatal darunter sein werde, stehe noch nicht fest.

Von Peter Dilling

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