Skepsis unter Betroffenen bleibt

Umstrittene Stromtrasse Südlink: Ministerium will Transparenz bei Planung fördern

Kreis Kassel. Ein ausführlicher Dialog zwischen Planern und Betroffenen, Transparenz auf allen Ebenen. Das sorge noch nicht für Konfliktlösungen, könne aber für eine bessere Planung sorgen, sagt Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Er erklärte damit vor mehr als 100 Vertretern aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik im Kasseler Regierungspräsidium, warum er sich in die Diskussion um die umstrittene Stromtrasse Südlink, die durchs Wolfhager Land und auch den Landkreis Kassel führen soll, einschaltet.

Die Transparenz blieb aber augenscheinlich hinter den Erwartungen der Vertreter der betroffenen Region zurück. Sie äußerten vielfach Skepsis, ob der Netzbetreiber Tennet die Bedenken gegen die favorisierte Trassenführung bei seiner Planung berücksichtigt.

Tarek Al-Wazir

Während der von Al-Wazirs Ministerium organisierten Dialogveranstaltung kündigte Paul Georg Garmer vom Netzbetreiber Tennet an, sein Unternehmen werde „im Herbst“ die von ihm favorisierte Trassenführung, zusammen mit Alternativvorschlägen, an die Bundesnetzagentur zur Genehmigung senden. Gleichzeitig werde man alle Unterlagen dazu veröffentlichen. Man betreibe schon im Vorfeld des eigentlichen Planverfahrens größtmögliche Transparenz. Das bezweifelt Kassels Landrat Uwe Schmidt. „Es wird mal Zeit, dass Sie Antworten geben. Sie reden von Dialog, aber Sie reden nicht mit uns“, sagte der SPD-Politiker.

Vergeblich fragten die regionalen Vertreter nach Details der von Tennet bevorzugten Trasse. Dabei ging es vor allem um Mindestabstände der Stromleitungen von Siedlungen und darum, wo die Trasse in die Erde verlegt werden kann. Tennet werde Erdverkabelungen beantragen, wo es „sinnvoll“ sei und die „Akzeptanz der Trasse“ erhöhe, sagte Garmer. Überall werde das nicht möglich sein. „Ich fühle mich unwohl, an dieser Trasse Landwirtschaft treiben und leben zu müssen“, so formulierte Dietmar Groß aus Homberg seine Bedenken. Man solle sich lieber um den Ausbau der dezentralen Energieversorgung kümmern.

Dietmar Groß

Minister Al-Wazir machte klar, dass er die Trasse an sich für alternativlos hält, weil nur so die Stromversorgungssicherheit gewährleistet werden könne. Er werde Betroffene aber bei Konflikten nach Möglichkeit unterstützen. Vergeblich forderte allerdings der Bürgermeister von Neuenstein, Walter Glänzer (CDU), den Minister auf, die Erdverkabelung im Raumordnungsgesetz des Landes vorzuschreiben, wenn die Trasse auf 400 Meter an eine Siedlung heranrücke. Da sei der Bund und nicht das Land zuständig. „Ich bin nicht allmächtig“, meinte Al-Wazir.

Hintergrund: Windstrom für Bayern

Die geplante Trasse Südlink soll ab 2022 den von den Windparks an der Norddeutschen Küste erzeugten Gleichstrom vom schleswig-holsteinischen Wilster über 800 Kilometer bis ins bayerische Grafenrheinfeld transportieren. In Grafenrheinfeld wird 2015 im Rahmen des Atomausstiegs ein Kernkraftwerk abgeschaltet. Die von Tennet favorisierte Trasse soll auch durch Nordhessen gehen. Die Pläne haben dort schon zu zahlreichen Protesten geführt. Tennet setzt schon vor dem eigentlichen Planungsprozess auf den Dialog mit Betroffenen und hat zahlreiche Infoveranstaltungen organisiert. (pdi)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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