Erstmals in der Espenauer Geschichte gibt es keinen sozialdemokratischen SPD-Bürgermeister

Strzoda bricht SPD-Dominanz

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Sekt für den neuen Bürgermeister: Ringo Plach (von links) und Christin Kewley brachten Carsten Strzoda wie viele andere Gäste der Wahlparty ein Geschenk mit. Zum Trinken kam Strzoda vor lauter Händeschütteln selbst kaum. 

Espenau. Eigentlich wollte die Espenauer SPD im Landgasthaus Sandrock einen Wahlsieg feiern. Aber nach der Schlappe - ihr Kandidat Marko Haselböck holte gerade mal 26,4 Prozent - wollte keine Stimmung aufkommen.

Haselböck rang sich für die Kamera noch ein Lächeln ab, während die ausdruckslose Miene von Karsten Schmacke Bände sprach und die wirkliche Stimmung bei den Genossen widerspiegelte. Denn zum ersten Mal nach der Gemeindereform vom 1. Dezember 1970 wird mit dem parteilosen Carsten Strzoda kein SPD-Bürgermeister in die Gemeindeverwaltung einziehen.

Nach der Wahlschlappe stellt sich automatisch die Frage, ob Haselböck der richtige Kandidat war. „Das kann man im Nachhinein so interpretieren“, formulierte der amtierende Verwaltungschef Michael Wielert (SPD) gestern gegenüber der HNA diplomatisch. Es habe ihn nicht überrascht, dass Strzoda gewonnen habe, aber „dass es so deutlich ausgehen wird, habe ich nicht gedacht“. Und Fraktionschef Volker Knebes räumte ein, „dass wir Strzodas Heimvorteil unterschätzt haben“.

Dabei waren die Espenauer Genossen mehrheitlich von Haselböck überzeugt. Nach der hessenweiten Ausschreibung hatte eine Findungskommission drei Kandidaten herausgesiebt. Von der Mitgliederversammlung war der Lohfeldener Haselböck im ersten Wahlgang gewählt worden.

Aber schon beim Blick auf die Wahlprogramme zeigte sich schnell, dass Haselböck der falsche Mann am falschen Ort war. Seine einzige Chance wäre gewesen, mit eigenen Themen punkten zu können. Aber die gab es in Espenau nicht. Das einzig Interessante, nämlich die Umwandlung der Espe-Aue in eine Art Freizeitgebiet, stand schon 2009 in Wielerts Wahlprogramm und hatte auch Strzoda auf der Agenda. Blieb die persönliche Ausstrahlung, und da war ihm Strzoda, der seit 20 Jahren in Espenau lebt, um Längen voraus.

Strzoda muss sich jetzt gedulden. Erst nach einer neunmonatigen Übergangszeit darf er am 1. Juli 2014 sein Amt antreten. Für Espenau bedeutet das weitgehend politischen Stillstand. „Die Übergangszeit ist sehr lang und das ist schlecht“, sagt auch der amtierende Verwaltungschef Michael Wielert. Die Folge: „Die großen Themen, die Big Points, werde ich in meiner Amtszeit nicht mehr angehen.“ Dazu gehören zum Beispiel die personellen Querelen um den Zweckverband Kommunale Dienste, den gemeinsamen Bauhof mit Immenhausen.

Noch am Wahlabend hat Wielert seinem Nachfolger Carsten Strzoda gratuliert und mit ihm vereinbart, sich Ende Oktober zusammenzusetzen und die Themen durchzusprechen. „Eine „formelle Einarbeitungszeit“ brauche es laut Wielert nicht, da reiche der „Lauf der Geschäfte“.

Was in der Gemeindevertretung auch für den parteilosen Strzoda bleibt: Er muss sich genau wie Wielert seine Mehrheiten suchen, da es keine feste Koalition gibt. Haselböck übrigens, der schon in Waldeck vergeblich angetreten war, wird seine politischen Ambitionen begraben. „Das war’s“, sagte er gestern.

Von Stefan Wewetzer

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