Konzert war Abschluss eines viertägigen Bandcamps - HNA-Volontärin Sina Hühne war dabei

Bandcamp: 80 Stunden lang nur Musik im Kopf

Auf dem Weg zur bühnenreifen Stimme: Vokalcoach Dirk Hoppe aus Hamburg (rechts) gibt den Sängern Till Domidian, Lisa Mierau, Wanja Pflüger, HNA-Volontärin Sina Hühne und Ronja Strempek (von links) wertvolle Tipps. Fotos: Wienecke

Nieste/Lohfelden. Noch knapp eine Stunde bis zum großen Konzert. Es ist 16.05 Uhr am Sonntag, die Stimmung bewegt sich irgendwo zwischen Anspannung und totaler Erschöpfung. Eine Reportage von HNA-Volontärin Sina Hühne über das Bandcamp.  

Während die fünf Dozenten des Bandcamps Kassel die Instrumente auf der Bühne im Bürgerhaus Lohfelden aufbauen, sitzen wir Teilnehmer auf den Zuschauerstühlen und versuchen, uns zu sammeln. In wenigen Minuten werden wir dort oben stehen. Unsere Band, die wir „The White Tracks“ nennen, wird den Anfang machen.

Begonnen hatte alles drei Tage zuvor, am Donnerstag, auf der Jugendburg Sensenstein bei Nieste. Wir 34 Teilnehmer saßen in einem großen Stuhlkreis und stellten uns schüchtern vor. Danach ging es mit dem „Bandbasar“ los, bei dem sich Musikgruppen zusammenfinden sollten. Unsere Band bestand aus sechs Leuten zwischen 15 und 54 Jahren und aus drei Bundesländern. Mehr wussten wir nicht voneinander. Gewissermaßen kauften wir also die Katze im Sack. Irgendwie spannend!

Nach kurzer Eingewöhnung begannen die Bands zu proben: Ziel war es, bis zum Konzert am Sonntag zwei Stücke auf die Beine zu stellen, eins davon eine eigene Komposition. Die Dozenten gingen immer wieder durch die Proberäume und gaben Tipps, um das Arbeiten in den Bands zu optimieren. Vormittags wurden Kurse für die einzelnen Instrumente angeboten. Wir Sänger bekamen Stimmbildung bei Dirk Hoppe (40). Als der selbstbewusste Dozent zu singen begann, waren wir sprachlos. Unglaublich, wie laut dieser Mann mit dem einnehmenden Lächeln da gerade gesungen hatte. Mit der richtigen Technik könne jeder so singen, erklärte uns Dirk.

Freitagabend gaben die Dozenten Stephan Emig (36) und Daniel Schunn (34) ein kleines Konzert mit Klavier und Percussion. Wir Übrigen trommelten mit den Fingern auf unseren Oberschenkeln, was sich anhörte wie Regen, der auf ein Dach prasselt. Alle verschmolzen dabei zu einem Instrument, gesteuert nur durch den Fingerzeig von Stephan. Das ging unter die Haut.

Das große Finale

Im Rampenlicht: Ronja Strempek (von links) und Sina Hühne an den Mikrofonen, Wanja Pflüger (Bass), Thilo Nordheim (Keyboard) sind vier der sechs Mitglieder von „The White Tracks“.

Am Tag des Konzerts sind alle müde. Wir haben viel gearbeitet in den letzten Tagen. Der quirlige Blondschopf Nils Overbeck (14) hat während des Bandcamps für Stimmung gesorgt. Jetzt ist auch er ein bisschen verhalten. Er ist aufgeregt, will vor den Dozenten besonders gut Schlagzeug spielen. Schließlich plant er, im nächsten Jahr wieder am Bandcamp teilzunehmen. Beim großen Auftritt können viele von uns dann nicht mehr die Bestleistung bringen. Die Finger der Bassisten sind wund, die Stimmen der Sänger heiser, und die Köpfe sind leer. Ein hoher Tribut, den vier Tage intensive Kreativleistung und Musikmachen fordern.

Aber ein Tribut, den zu zahlen es sich allemal gelohnt hat. Das Konzert war zwar das Ziel, die Höhepunkte lagen aber auf dem Weg dorthin. Zum Ende des Konzerts stehen wir noch einmal alle auf der Bühne und rasseln, trommeln und klatschen, was das Zeug hält. Bei 40 Leuten ist das Ergebnis ein ordentliches Spektakel. Ein würdiges Ende für ein gelungenes Bandcamp.

Von Sina Hühne

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