Interview: Die Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck (SPD) über ihr schlechtes Abschneiden bei Abgeordnetenwatch.de

SPD-Bundestagsabgeordnete Gottschalck im Interview: „Suche immer direkten Kontakt mit den Bürgern“

Ulrike Gottschalck

Niestetal. Wenig schmeichelhaftes Ergebnis für die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck: Bei der Untersuchung der Internetplattform Abgeordnetenwatch.de zum Antwortverhalten kommt die Parlamentarierin aus Niestetal nur auf die Note „mangelhaft“. Wir sprachen mit der Abgeordneten.

Frau Gottschalck, von fünf Anfragen haben Sie im vergangenen Jahr nur eine beantwortet. Warum ist zu den anderen vier nichts gekommen?

Ulrike Gottschalck: Ich habe fünf von fünf Fragen beantwortet, dies ist im Internet einsehbar. Offensichtlich passen meine Antworten jedoch nicht in das Konzept von Abgeordnetenwatch. Ich antworte kurz und knapp und bitte die User sich an mich persönlich zu wenden, da meine Erfahrung schlichtweg zeigt, dass dies für die Bürger erfolgreicher ist. Daraus keine Antwort zu konstruieren halte ich für unseriös.

Im vergangenen Jahr haben sie noch schlechter abgeschnitten, da kamen sie nur auf ein „ungenügend“. Muss bei der Organisation Ihres Büros etwas geändert werden?

Gottschalck: Keinesfalls. Meine Mitarbeiter sind sehr kompetent und wir sind gut organisiert. Ich habe mich dazu entschieden, immer den direkten Kontakt mit den Bürgern zu suchen. Dies ist zielführender, persönlicher und vertraulicher, als ein im Regelfall zu kurz greifender online-Meinungsaustausch. Die Menschen in meinem Wahlkreis zu vertreten und meine politische Arbeit haben bei mir oberste Priorität, denn dafür wurde ich gewählt.

Was tun Sie, um bei künftigen Tests zum Antwortverhalten besser abzuschneiden?

Gottschalck: Das ist eine Grundsatzdiskussion: Lasse ich mich von Abgeordnetenwatch in ein Korsett zwängen oder entscheide ich selbst? Ich beantworte Jahr für Jahr eine dreistellige Zahl von Bürgeranfragen persönlich und detailliert, dies werde ich auch weiterhin so handhaben. Da relativieren sich fünf Anfragen aus Abgeordnetenwatch. Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis, die mich am vergangenen Donnerstag in Berlin besuchte, war über das Vorgehen von Abgeordnetenwatch äußerst empört. Hier würde mich auch die Meinung der HNA-Leser interessieren. Ich jedenfalls stehe immer für einen konstruktiven Dialog zur Verfügung.

Ihre Kasseler Kollegin Nicole Maisch von den Grünen hat zwei Mal hintereinander ein „sehr gut“ geholt. Sie hat von zwölf Fragen elf beantwortet. Was macht Frau Maisch besser als Sie?

Gottschalck: Die von mir sehr geschätzte Kollegin hat offensichtlich kein Problem mit dem Konzept von Abgeordnetenwatch.

Haben die Mitarbeiter von Abgeordnetenwatch.de Kontakt zu Ihnen aufgenommen?

Gottschalck: Nein, bisher zumindest noch nicht.

Was halten Sie generell von der Internetseite?

Gottschalck: Abgeordnetenwatch ist eine kreative Plattform, die einen Teil zur politischen Willensbildung beiträgt, aber auch nicht der Nabel der Welt. Wer mitmachen will, soll mitmachen. Das ist schließlich eines der Grundprinzipien der neuen Medien. Als freie Abgeordnete behalte ich mir vor, Kommunikationskanäle so zu nutzen, wie ich es für geeignet halte. Die Anmaßung, meine politische Arbeit auf fünf angeblich nicht beantwortete Fragen zu reduzieren, halte ich für bedenklich. Mangelnde Bürgernähe kann man mir nun wirklich nicht unterstellen: Ich gehe keiner öffentlichen Diskussionen und Kritik aus dem Weg. Mit Bürgersprechstunden, Besuchen bei Unternehmen, auf Feierlichkeiten, bei Vereinen und Verbänden suche ich Kontakte zu möglichst vielen Bürgern. Ich poste bei Facebook, habe mit www.ulrike-gottschalck.de eine gut gepflegte Internetseite und gehöre zu den transparenten Abgeordneten.

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