Suche nach alternativer Fläche für Schweinemastbetrieb

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Engagierte Diskussion: Erste Stadträtin Silke Engler bemühte sich immer wieder, Sachlichkeit in die Debatte zu bekommen. Bernhard Schmidt (rechts) hatte das Projekt vorgestellt.

Baunatal. Wird etwa 600 Meter vom Ort Guntershausen eine Schweinemastanlage mit rund 1200 Tieren gebaut? Diese Antwort wurde bei einem Treffen von Behörden und über 50 Bürgern auf der Höhe zwischen Grifte und Guntershausen nach gut zweistündiger, intensiver Diskussion vertagt.

Kurzfristig wollen alle Beteiligten in den nächsten drei Wochen nach einem Alternativstandort Ausschau halten. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Betrieb an der geplanten Stelle kommt.

Der Guntershäuser Landwirt Bernhard Schmidt und Sohn Axel wollen auf der Fläche einen 45 mal 30 Meter großen Schweinestall errichten. Dass sie dafür Baurecht bekommen werden, machten Dieter Scheele von der Bauaufsicht des Landkreises und Baunatals Erste Stadträtin Silke Engler unmissverständlich deutlich. „Herr Schmidt hat einen Rechtsanspruch. Wir müssen genehmigen“, so Scheele.

Blick Richtung Grifte: 600 Meter entfernt vom Ort soll die Schweinemastanlage gebaut werden. 

In den vergangenen Tagen hatte sich Protest im Ort gegen das Vorhaben geregt. Vor allem Anwohner aus der Straße Grifter Weg sprachen sich gegen den Bau einer Schweinemastanlage aus. Sie befürchten unter anderem Belästigung durch Gestank. Der benachbarte Bio-Landwirt Eckhardt Eisenach sieht sogar erhebliche Nachteile für seinen angrenzenden Betrieb samt Hofladen.

Bewegung in die bei dem Ortstermin teils hitzig geführte Debatte kam, als Eisenach anbot, gemeinsam mit der Familie Schmidt nach einer Alternativlösung zu suchen. Zum Tausch eines Feldes sei er sofort bereit. „Ich würde mich da richtig engagieren“, sagte der Landwirt. Sogar eine finanzielle Beteiligung an der erneuten Planung der Anlage stellte Eisenach in Aussicht.

Ein Vorschlag, der bei den Bauherrn und deren Architekten Hans Wiederhold (Borken) allerdings nicht auf Begeisterung stieß. Schließlich müssten dann die Förderanträge neu gestellt werden, das Projekt verschiebe sich nach hinten. Diese Zeit habe die Familie nicht, so Wiederhold, schließlich habe die Prüfung von bisher sechs Standorten schon ein Jahr gedauert. Er rate dem Bauherrn nicht dazu, den jetzigen Bauantrag fallen zu lassen, so Wiederhold. 250 000 Euro Förderung von der EU für das rund eine Million Euro teure Vorhaben seien mit einer erneuten Standortsuche gefährdet.

Besorgte Bürger äußerten Bedenken unter anderem zur Zunahme des Transportverkehrs, zu Tierschutzbelangen und zur Verabreichung von Medikamenten an die Schweine. „Die werden nicht mit Medikamenten gefüttert“, sagte Bernhard Schmidt zu.

Die Erste Stadträtin rief dazu auf, die Diskussion nicht polemisch zu führen und Guntershausen nicht in zwei Lager zu spalten.

Bis zum 20. August haben alle Beteiligten nun Zeit, einen anderen Standort zu prüfen, dann endet die Frist für den jetzigen Bauantrag. Engler und Scheele sagten zu, die Behörden innerhalb von einer Woche an einen Tisch zu holen.

Kritik an Kreis-Behörde

Für Verwunderung sorgten bei den Teilnehmern der Info-Veranstaltung Details zur bisherigen Suche nach einem geeigneten Standort für die Schweinemastanlage. Nach Angaben von Landwirt Bernhard Schmidt wurden sechs Flächen geprüft, drei kamen in die engere Auswahl. Der von der Familie favorisierte Standort am Linnfeld nahe dem Original-Teile-Center (OTC) von VW sei aber von der Naturschutzbehörde des Kreises abgelehnt worden, weil dort die Feldlerche zu Hause sei, erläuterten Erste Stadträtin Silke Engler und Dieter Scheele von der Bauaufsicht des Kreises. Die meisten Behörden hätten dieser von Ortschaften abgelegenen Fläche hingegen zugestimmt.

Einige Bürger äußerten deshalb ihren Unmut darüber, dass VW in diesem Bereich bauen dürfe, aber ein örtlicher Landwirt nicht. Außerdem werde der Schutz der Feldlerche über die Interessen der Menschen von Guntershausen gestellt.

Von Sven Kühling

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