Für Technikberufe begeistern

VW: Suche nach Fachkräften beginnt in der Grundschule

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Automodelle aus den Schulen: Die VW-Azubis Nadine Jacob (von links), Christopher Weber, Julia Kühlborn und Jan Bartelmai zeigen die Fahrzeuge, die Grundschüler gebaut haben.

Baunatal . „Wir fangen in der Grundschule an“, sagt Hermann Hartig und macht damit unmissverständlich deutlich, wo VW in Baunatal hin will. Schließlich fehlen absehbar Fachkräfte.

Und deshalb will der Autobauer durch Besuche seiner Azubis in den Schulen schon bei den Jüngsten das Interesse an technischen Berufen wecken. „Wir wollen uns nicht nur um die Leute kümmern, die kurz vor der Ausbildung stehen“, sagt der stellvertretende Leiter der Volkswagen Akademie, die die Ausbildung im Baunataler Werk organisiert. Seit über zwei Jahren halten Azubis Kontakt sowohl zu Grundschulen wie auch zu weiterführenden Schulen in der Region.

„Wir müssen zusehen, dass wir Schüler sehr frühzeitig für Technik begeistern.“

Julia Kühlborn, die den Beruf der Elektronikerin für Automatisierungstechnik erlernt, besuchte Anfang November die Friedrich-Ebert-Schule in Altenbauna. Schon zweimal seien die Jungen und Mädchen in der Folge im VW-Werk zum Gegenbesuch gewesen, erläutert die 18-Jährige.

Großes Interesse hätten die Schüler am Bau eigener Modellautos gehabt. „Einige wollten einen Truck haben, andere wiederum Cabriolets oder Sportwagen.“ Was einen spielerischen Anfang nimmt, hat für Volkswagen einen ernsten Hintergrund. Viel zu wenig - so sagen die Experten des Autobauers - wüssten Schüler, Eltern und Lehrer über die aktuellen Berufe im VW-Werk.

Breites Berufe-Spektrum

Das Spektrum reicht vom Gießereimechaniker bis zum Zerspanungsmechaniker. Eine Folge der Unkenntnis: Viele junge Leute wollen lieber bei VW ins Büro als in die Produktion. „Wir haben das Zwölffache an Bewerbungen für die kaufmännischen Berufe“, erläuter Hartmut Schaupeter. Ein ganz besonderes Defizit bei dem Wissen über die Technikberufe verzeichnen die Fachleute bei den Pädagoginnen. „Es gibt eine Hemmschwelle bei Lehrerinnen, sich auf Experimentelles einzulassen“, sagt Heiko Hillwig vom VW-Personalwesen. Aber auch männliche Kollegen hätten nicht immer einen Zugang zu Technik, ergänzt Hermann Hartig.

Zusätzlich zu bereits bestehenden Programmen der Volkswagen Akademie will das Personalwesen im Baunataler Werk ein Projekt anschieben, das Schüler, Lehrer und Eltern gezielt zum Experimentieren bringen soll. So genannte Technikbotschafter sollen die Schulen mit Technikbaukästen im Gepäck besuchen.

Ein Vorhaben, das auch kürzlich bei VW-Vorstandschef Martin Winterkorn gut ankam. Laut Pressemitteilung von VW stellten die Technikbotschafter beim Standortsymposium mit dem Konzern-Vorstand ein solches Experiment vor. Sie verglichen in einem Modell einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb. Das Ergebnis ihrer Abschlussarbeit.

Baunatals Personalchef Eric Reutings Fazit lautet: „Wir müssen zusehen, dass wir Schüler sehr frühzeitig für Technik begeistern.“

Von Sven Kühling

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