Seit Januar gilt in Fuldatal die gesplittete Abwassergebühr – Noch werden Grundstücksdaten ermittelt

Suche nach versiegelten Flächen

Hier wird Abwasser gereinigt: In Ihringshausen steht die größte der drei Kläranlagen der Gemeinde Fuldatal (im Bild das Kombibecken). Weitere Anlagen, in denen Schmutz- und Oberflächenwasser ankommt, gibt es in Simmershausen und Wilhelmshausen. Fotos: Schräer

Fuldatal. Gerd Schneider hat seine Unterlagen ins Dorfgemeinschaftshaus Wahnhausen mitgebracht. Dazu gehört eine von der Gemeinde zugeschickte Luftaufnahme seines Grundstücks an der Straße „Am Sonnenhang“ und eine auf deren Grundlage erstellte Flächenskizze.

Bei den Unterlagen geht es um die versiegelten Flächen, von denen der Eigenheimbesitzer Regenwasser in die Kanalisation einleitet. Denn seit Jahresbeginn splittet die Gemeinde das Abwasser und die hierfür zu zahlende Gebühr in Schmutz- und Oberflächenwasser auf.

Beim Schmutzwasser wird wie bisher die vom Verbraucher abgenommene Frischwassermenge als Berechnungsgrundlage herangezogen. Beim Oberflächenwasser sind die versiegelten Flächen maßgeblich, von denen Regenwasser in die Kanalisation und somit in die Kläranlagen fließt.

„Die Gebühr gilt die nächsten Jahre“, sagt der Senior. „Da sollten die Grundlagen stimmen.“ Und das tun sie nach seiner Meinung noch nicht. Neben rechteckigen Flächen auf der Skizze für Hausdach, Garageneinfahrt oder Terrasse ist eine Fläche als versiegelt eingezeichnet, „die gibt es gar nicht“. Schneider zieht die Luftaufnahme heran. Bei besagten 20 Quadratmetern handele es sich nur um einen dunklen Schatten, den das Haus werfe. Die Luftaufnahme war bei strahlendem Sonnenschein gemacht worden.

Bürgersprechstunde

Ines Schubert hört sich die Einwände während der Bürgersprechstunde in Wahnhausen an. Die Bauingenieurin arbeitet für das Büro Kommunal Consult aus Wettenberg bei Gießen, das für die Gemeinde die Flächen für die Oberflächenwasser-Gebühr ermittelt.

An diesem Tag berät sie unter anderen auch Elke Mansfeld aus Simmershausen. Ihr Grundstück und auch die Dachflächen ihres Wohnhauses seien gar nicht an den Kanal angeschlossen, sagt die 62-Jährige. Das Regenwasser versickere auf ihrer Freifläche.

Bei Walter Dittrich aus Wahnhausen liegt der Fall ähnlich. Zumindest bei jenen rund 35 versiegelten Quadratmetern samt Gartenhaus am Ende seines lang gestreckten Grundstücks. Auch dort versickere das Regenwasser auf Rasen- und Beetflächen. „Die Gemeinde hat angenommen, das läuft alles in den Kanal“, sagt der 65-Jährige. Nachdem dies jetzt geklärt sei, werde er den entsprechend abgeänderten Auskunftsbogen abschicken.

Einen solchen erhielten einschließlich weiterer Unterlagen alle rund 4000 Fuldataler Grundstückseigentümer Ende November. Bislang wurden rund 1900 an die Gemeinde zurückgeschickt, sagt Martin Knopp von der Gemeinde, als Fachbereichsleiter Tiefbau für das Abwasser zuständig.

Noch bis Montag, 20. Januar, können die Selbstauskunftsbögen zurückgeschickt werden. Sonst werden die zuvor ermittelten Flächen herangezogen.

Bürgersprechstunden gibt es am heutigen Mittwoch von 11 bis 18 Uhr im Fuldataler Forum in Ihringshausen und morgen, Donnerstag, von 9 bis 16 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Rothwesten.

Das Infotelefon 05 61/9 81 81 65 ist noch bis einschließlich Freitag, 17. Januar, geschaltet.

Das sagt die Gemeinde

„Die gesplittete Abwassergebühr sorgt für eine gerechtere Kostenverteilung“, sagt Martin Knopp, Leiter des Fachbereichs Tiefbau der Gemeinde. Für Ein- und Zweifamilienhaus-Eigentümer dürfte sich die zu zahlende Gebühr für Abwasser kaum ändern. Auf höhere Kosten müssen sich aber zum Beispiel Gewerbebetriebe mit großen versiegelten Flächen einstellen, von denen das Regenwasser in die Kanalisation fließt. Auch die Gemeinde werde mit ihren Gebäuden, Straßen und Bürgersteigen stärker zur Kasse gebeten, sagt Knopp.

Bisher musste für Abwasser pro abgenommenem Frischwasser 3,80 Euro pro Kubikmeter gezahlt werden. Künftig wird bis zu 3,30 Euro pro Kubikmeter Frischwasser für das Schmutzwasser berechnet und bis zu 1,20 Euro pro Quadratmeter versiegelter Fläche. Genaue Beträge stehen laut Knopp erst fest, wenn alle Flächen ermittelt sind. (mic)

Von Michael Schräer

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