Getrennte Trassen für Suedlink und Wahle-Mecklar geplant

Höchstspannungsleitungen sollen nicht zusammengelegt werden

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Stahlkolosse: Für die geplanten Höchstspannungsleitungen Suedlink und Wahle-Mecklar sollen im Landkreis Kassel weitere Stahlmasten errichtet werden. Unser Bild zeigt einen Hochspannungsmast in Kaufungen-Papierfabrik.

Kreis Kassel. Der bundesweite Stromnetzbetreiber Tennet will beim Bau der geplanten Höchstspannungsleitungen Suedlink und Wahle-Mecklar keine Bündelung der Trassen vornehmen. Das hat Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht der HNA auf Nachfrage bestätigt.

Das bedeutet, dass die Gleichstromtrasse Suedlink westlich von Kassel durch das Wolfhager Land führen und nicht mit der 380.000 Volt-Leitung Wahle-Mecklar zusammengelegt werden soll, die östlich von Kassel quer durch den Altkreis Kassel führen wird. Zwar gibt es ein gesetzlich verankertes Bündelungsgebot für derartige Infrastrukturprojekte, doch sei dies im Raum Kassel unter anderem aus technischen Gründen kaum umsetzbar, meint Lieberknecht.

Hintergrund: Neue Trassen Suedlink und Wahle-Mecklar

Unter der Bezeichnung Suedlink soll eine 500 000 Volt-Gleichstromleitung Windstrom von der Nordsee nach Bayern transportieren. Die 800 Kilometer lange Leitung soll durch das Wolfhager Land führen, dort gibt es heftigen Widerstand. Die Leitung, deren Verlauf erst grob geplant ist, soll 2022 in Betrieb gehen. Teilweise bereits im Planfeststellungsverfahren befindet sich die 230 Kilometer lange Höchstspannungsleitung vom niedersächsischen Ort Wahle bei Braunschweig zum Umspannwerk Mecklar bei Ludwigsau / Hessen. Mit der Leitung soll die Netzstabilität erhöht werden. Netzbetreiber Tennet will die 380 000 Volt-Wechselstromleitung 2017 oder 2018 in Betrieb nehmen. Für den hessischen Teil soll das Genehmigungsverfahren im Herbst beginnen. Im Landkreis Kassel sind die Gemeinden Niestetal, Kaufungen, Lohfelden, Söhrewald und Fuldabrück betroffen.

Infos: www.tennet.eu

Im Februar hatte Tennet vier Planungsvarianten für die 500.000 Volt-Gleichstromtrasse vorgestellt, die Windstrom von der Nordseeküste (Wilster) nach Nordbayern (Grafenrheinfeld) transportieren soll. Tennet hat nun eine Vorfestlegung auf die Variante „Mitte-West“ getroffen, die westlich von Kassel durchs Wolfhager Land verläuft. Dort wurden in den vergangenen Wochen Bürger und Kommunen in mehreren Veranstaltungen informiert.

„Wir haben 2000 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten“, sagte der Tennet-Sprecher, die würden jetzt geprüft und nach Möglichkeit berücksichtigt. Eine Entscheidung für diese Trasse sei dies jedoch nicht. Man befinde sich noch im Stadium der Vorprüfung. „Mitte-West ist der vorgeschlagene Korridor“, so Lieberknecht. Man werde im Genehmigungsverfahren aber auch Alternativen benennen; welche dies sein werden, sei noch offen.

Gegen eine Bündelung von Suedlink und der Trasse Wahle-Mecklar sprechen laut Lieberknecht mehrere Gründe. So sei es nicht möglich, beide Leitungen auf denselben Hochspannungsmasten zu führen. Denn im Rahmen des Bündelungsgebots werde bei der Wahle-Mecklar-Trasse bereits eine 110 kV-Bahnleitung mit auf die Masten gepackt, die bestehenden Masten der 110 kV-Leitung werden bei Heiligenrode, Papierfabrik und Vollmarshausen dadurch verschwinden. „Bei noch mehr Leitungsmitnahmen ergäbe das riesige Ungetüme von Masten“, sagte der Tennet-Sprecher.

Die Leitungen Suedlink und Wahle-Mecklar müssten also parallel geführt werden, dies gebe aber Probleme bei den Mindestabständen von 400 Meter zu Wohngebieten. Auch die Einbindung von Suedlink in die Umspannwerke sei nicht möglich.

Außerdem befinden sich die beiden Projekte in unterschiedlichen Planungsstadien – die Planung für Wahle-Mecklar, die schon weit fortgeschritten ist, müsste dann neu aufgerollt werden.

Von Holger Schindler

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