99 Varianten für Stromtrasse

Suedlink: Stadt Baunatal kritisiert Vorgehensweise des Netzbetreibers

Baunatal. Ab dem Jahr 2022 soll die Gleichstrom-Hochspannungsleitung Suedlink den Strom von den Windparks im Norden Deutschlands in den Süden bringen – das sehen die Pläne des Netzbetreibers Tennet vor. Mittlerweile gibt es eine Flut an Vorschlägen zum Trassenverlauf.

Darunter auch einige, die Gemeinden im Landkreis Kassel betreffen, unter anderem Schauenburg und die Stadt Baunatal. Sie sorgten in den vergangenen Monaten für intensive Diskussionen. Wir informieren über den aktuellen Stand der Planung und das weitere Verfahren.

Für das Projekt wird die Bundesnetzagentur eine Bundesfachplanung ausführen. Der Antrag dazu soll bis Ende des Jahres gestellt werden. Das bestätigte Thomas Wagner, Referent für Bürgerbeteiligung Suedlink bei Tennet, auf Anfrage der HNA. Insgesamt 99 Korridor-Vorschläge werde das Unternehmen einreichen. Darunter der von ihm bevorzugte Korridor „Mitte / West“.

Zudem sollen dem Antrag nach derzeitigem Stand 98 weitere Versionen angehängt werden, die Bürger und Kommunen in den vergangenen Monaten im Projektdialog vorgeschlagen haben. Darunter auch diejenigen, die Baunatal und Schauenburg betreffen. Einer dieser Vorschläge wurde bei einer Informationsveranstaltung des Netzbetreibers im Oktober präsentiert.

Lesen Sie auch:

Protest gegen SuedLink: Habichtswalder denken über Bürgerinitiative nach

Er sieht vor, den ursprünglichen Verlauf der Mitte / West-Trasse nach Osten zu verschieben. Diese Variante würde Fritzlar, Wabern und Homberg entlasten, dafür aber die Gemeinden Habichtswald, Schauenburg, die Stadt Baunatal und Malsfeld durchschneiden. Die Stadt Baunatal hat auf diesen Vorschlag bereits mit einer ersten schriftlichen Stellungnahme an Tennet reagiert, in der sie ihre Bedenken geäußert hat, berichtet die Erste Stadträtin Silke Engler (SPD). zudem gebe es eine sehr intensive Abstimmung zwischen den betroffenen Kommunen des Landkreises und Teilen des Schwalm-Eder-Kreises.

„Wir wollen gemeinsam stärker auftreten und verhindern, dass man uns als Kommunen auseinanderdividiert“, so Engler. Sie kritisiert, dass die Stadt Baunatal nicht von Anfang an an der Planung beteiligt wurde. Zudem fehlt ihr Klarheit über die Kriterien, nach denen die Trassenverläufe erstellt wurden. Ein Hauptargument gegen den Vorschlag entlang Baunatal ist für Engler, dass die Ortsrandbebauung Großenritte mit dem dort gelegenen Altenheim Gertrudenstift betroffen wäre. Zudem verliefe die Trasse in unmittelbarer Nähe oder sogar durch das Windparkgebiet.

Sollte diese Variante von der Bundesnetzagentur tatsächlich in Betracht gezogen werden, behält sich die Stadt Baunatal rechtliche Schritte vor. „Gegebenenfalls ergibt sich dann ein Klagerecht“, so die Vizebürgermeisterin. Laut Wagner ist nicht absehbar, ob ein Korridor entlang Baunatal und Schauenburg weiter geprüft werde und wie wahrscheinlich dessen Realisierung sei. Die Bundesnetzagentur werde nach eingehender Prüfung entscheiden, welche Varianten untersucht werden sollen. Auch sei denkbar, dass noch weitere Vorschläge hinzukommen. Beispielsweise der vom CDU-Landratskandidaten Patrick Weilbach. Er hatte Tennet eine Kombination ihrer Mitte / West- und West-Trasse vorgeschlagen.

Vorab-Version des Antrags auf Bundesfachplanung: www.suedlink.tennet.eu/bundesfachplanung/antrag-6.html

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.