Brücken aus angeblichem Superbeton weisen schwere Schäden auf

Niestetal. Er erlaubt filigrane Formen und soll doch über die gleiche Festigkeit verfügen wie Stahl: Ultrahochfester Beton gilt als wahrer Wunderbaustoff. Jetzt gibt es mit dem Baustoff an zwei Brücken jedoch ein Problem.

Als Vorzeigeprojekt in der Region dient seit Sommer 2007 die Gärtnerplatzbrücke über die Fulda, die den Auedamm und das Buga-Gelände in Kassel verbindet. Die Oberfläche der kühn geschwungenen Brücke ist mit dünnen Platten aus Superbeton beklebt.

Auch in Niestetal setzte man beim Bau zweier Brücken im Ortsteil Sandershausen laut Gemeinde auf Ultra-Hochleistungsbeton - und erlebte ein Desaster. Die mit den Platten belegte Brücke „Auf der Insel“ ist nur ein Jahr nach ihrer Fertigstellung in einem derart desolaten Zustand, dass der für Fußgänger und Radfahrer bestimmte Übergang über die Nieste jetzt gesperrt werden musste.

Die Universität Kassel hat den Superbeton maßgeblich entwickelt. Sie weist einen Zusammenhang zwischen ihrer Entwicklung und den defekten Brücken in Niestetal zurück. Mit den beiden Bauprojekten habe man nichts zu tun. „Es handelt sich nicht um Produkte der Universität Kassel“, sagte deren Sprecherin Annette Ulbricht auf HNA-Anfrage. Auch sei die Hochschule bei den Projekten nicht beratend tätig gewesen. Zwei Fußgängerbrücken aus Kasseler Superbeton, unter anderem die am Naturschwimmteich, haben sich, so heißt es in Fachkreisen, bewährt.

Dass dagegen mit der Brücke „Auf der Insel“ etwas nicht stimmt, sieht man auf den ersten Blick. An verschiedenen Stellen haben sich die Platten stark verzogen. „Der Zustand hat sich im Laufe der vergangenen Monate derart verstärkt, dass die Platten mittlerweile etwa drei Zentimeter durchhängen“, sagt Verwaltungssprecher Dennis Bachmann. An der Unterseite der Brücke haben sich zudem Risse gebildet. Nach der Begutachtung des Bauwerks durch einen Statiker zog die Gemeinde die Notbremse und machte die Brücke mit Bauzäunen dicht. Bereits 2010 habe die Verwaltung die Herstellerfirma aufgefordert, die Mängel an der rund 40 000 Euro teuren Brücke zu beseitigen. Da die defekten Platten jedoch nicht von dem Lieferanten, sondern von einer weiteren Firma stammen und überdies die Ursache für den Konstruktionsfehler noch nicht festgestellt werden konnte, wurden die Betonelemente von dem Lieferanten noch nicht ausgetauscht. Dieser habe inzwischen mitgeteilt, dass die Platten verstärkt werden, sagte Bachmann.

Doch damit nicht genug. Auch die zweite Superbeton-Brücke „Auf der Bleiche“ muss wohl wegen Schäden gesperrt werden. Dort hängen Platten bis zu einem Zentimeter durch. Ein Statiker nimmt jetzt das auch für Autos ausgelegte Bauwerk unter die Lupe. „Fest steht jedoch schon jetzt, dass auch dort die Platten ausgetauscht werden müssen“, sagt der Verwaltungssprecher. Mit der Entscheidung für den Superbeton habe die Gemeinde dem von der Uni Kassel entwickelten Baustoff mit zum Durchbruch verhelfen wollen.

Von Peter Ketteritzsch

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