Susanne Selbert (SPD) braucht fremde Stimmen

Kreis Kassel. Erst der Chef und dann die Stellvertreterin: Sechs Wochen nach der Landratswahl, die Amtsinhaber Uwe Schmidt (SPD) für sich entscheiden konnte, steht am Montag, 9. März, die Wiederwahl von Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) an.

Gegenüber der Landratswahl gibt es dabei zwei entscheidende Unterschiede: Bei der Wahl der Ersten Kreisbeigeordneten, so die offizielle Bezeichnung des Postens, handelt es sich nicht um eine Direktwahl. Statt wie zuletzt 192 000 Wahlberechtigte sind es diesmal nur 81, und zwar die Mitglieder des Kreistages.

Und einen Gegenkandidaten - Landrat Schmidt bekam es mit dem CDU-Bewerber Patrick Weilbach zu tun - muss die seit sechs Jahren amtierende Selbert auch nicht befürchten. Der Grund: Der Kreistag hatte sich bereits im Juli 2014 mehrheitlich dafür entschieden, auf eine öffentliche Ausschreibung der Stelle zu verzichten. Die Hessische Gemeindeordnung lässt dies zu.

Mit der Abstimmung bei der Sitzung in Naumburg hat die Juristin eine erste Hürde auf dem Weg zu einer zweiten sechsjährigen Amtszeit genommen. Am 9. März wiederholt sich das Prozedere nun. Die Hürde für Selbert ist gleich hoch wie im Juli 2014: Um den Job weitermachen zu können, müssen mindestens 50 Prozent der Abgeordneten für Selbert votieren. Die Stimmen der Sozialdemokraten (39 Sitze) allein reichen nicht für eine weitere Amtszeit. Vorausgesetzt, alle SPD-Kreistagsmitglieder votieren für die Vize-Landrätin, benötigt Selbert mindestens noch zwei Stimmen aus den Reihen der anderen Fraktionen.

Von der CDU (21 Sitze) wird sie diese wohl nicht bekommen. Zwar habe die Fraktion noch nicht abschließend über das Thema beraten, sagte Partei- und Fraktionschef Frank Williges auf HNA-Anfrage. Die Tendenz gehe aber dahin, „Frau Selbert nicht wiederzuwählen“. Seine Fraktion hätte es lieber gesehen, wenn es weitere Bewerber für den politischen Posten gegeben hätte, so Williges.

Auch bei den Grünen (12 Sitze) hält man sich noch bedeckt. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe sie keine Auskunft, sagte Fraktionschefin Steffi Weinert. Sie stellte allerdings zweierlei klar. Erstens: Es gibt keine Verhandlungen mit der SPD über Bedingungen der Grünen für die Wahl Selberts. Und zweitens: Bei der Abstimmung werde es keinen Fraktionszwang geben.

Verlassen kann sich Susanne Selbert dagegen auf die FDP (drei Sitze) und die Linken (zwei Sitze). Die Fraktionschefs Björn Sänger und Dr. Christian Knoche signalisierten am Dienstag Zustimmung. Die Freien Wähler (drei Sitze) waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Und Selbert selbst? Sie gibt sich bescheiden: „Es gehört zu meiner Position als politische Wahlbeamtin, dass ich nach sechs Jahren Amtszeit auch damit rechnen muss, nicht erneut in meinem Amt bestätigt zu werden.“ Sie würde ihre Arbeit aber gern „engagiert weiterführen“.

Von Peter Ketteritzsch

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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