30-Jähriger muss für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis

Täter nach Messerstecherei verurteilt

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Lohfelden/Kassel. Im Prozess um eine Messerstecherei in Lohfelden hat das Kasseler Landgericht den 30-jährigen Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Der Mann wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Vieles widersprüchlich

Vieles an dem Fall bleibe „im Unklaren oder im Dunkeln oder Widersprüchlichen“, sagte Richter Volker Mütze in der Urteilsbegründung. Sicher war sich die Kammer aber, dass es der 30-Jährige war, der im Februar 2012 einem anderen Mann im Streit ein Messer in den Oberkörper stieß – und dass sich diese Tat in einer Wohnung in Lohfelden abspielte.

Der Angeklagte hatte darauf beharrt, der Wohnungsinhaber habe das Messer in den Händen gehalten – und der Streit, bei dem es in den Körper des Geschädigten eindrang, habe sich nahe der Autobahn abgespielt. Doch aus Sicht der Kammer gab es nichts, was diese Schilderung belegte. Man habe aber „drei Zeugen die sagen: Der Angeklagte war’s“, so Mütze.

Diese drei Zeugen – darunter der Geschädigte und der Wohnungsinhaber – hatten im Zuge des Verfahren mehr als drei Varianten des Vorfalls präsentiert. Das Gericht sah darin Versuche, von Verbindungen zu Drogengeschäften abzulenken – und auch davon, dass die Wohnung Anlaufpunkt für jemand wie den Angeklagten gewesen sei, der sich illegal in Deutschland aufgehalten habe.

Der Geschädigte hatte durch den Messerstich einen Zusammenfall eines Lungenflügels erlitten. Allerdings hatte er durch seinen Drogenkonsum den eigenen dramatischen Gesundheitszustand offenbar erst gar nicht wahrgenommen. Nach eigener Aussage hatte er sich wieder schlafen gelegt und war später noch nach Kassel in ein Internet-Café gefahren. Erst die Aufsicht dort rief einen Rettungswagen.

Weil aber auch für den Angeklagten der Zustand des Opfers nach dem Stich nicht erkennbar gewesen sein dürfte, entging er jetzt einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags. Er sei von einem unvollendeten Versuch einer solchen Tat freiwillig zurückgetreten, als er nicht weiter zustach, befand das Gericht.

Verteidiger Axel Dohmann hatte Freispruch gefordert. Dies sei zwingend angesichts der verbleibenden Zweifel zum Geschehen. Auch für eine gravierende Straftat dürfe man „nicht einen möglicherweise Unschuldigen verurteilen, weil man keinen Besseren hat“.

Staatsanwalt Jan Uekermann hatte genau das gefordert, was die Kammer später urteilte. Trotz aller Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugen halte er es für ausgeschlossen, dass die drei sich abgesprochen haben könnten, um den Angeklagten „in die Pfanne zu hauen“.

Und wie das Gericht fand er eines ganz wichtig: Schon schwer verletzt im Internet-Café habe der Geschädigte den Angeklagten als Täter genannt.

Von Katja Schmidt

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