Helsaer Strafregister von 1871 bis 1919 kann beim Geschichtsverein eingesehen werden

90 Tage Haft für einen Gänsedieb

Erprobte Zusammenarbeit: Erika Schöneberg (links) und Herbert Brandt vom Geschichtsverein Helsa haben das historischen Strafregister in eine lesbare Version übertragen. Fotos:  Wienecke

Helsa. Erika Schöneberg und Herbert Brandt sind bereits ein eingespieltes Team: Das Strafregister von Helsa ist die dritte umfassende historische Unterlage, die die beiden Mitglieder des Geschichtsvereins Helsa von handschriftlichen Aufzeichnungen, die zum Teil noch in Sütterlinschrift erfolgten, in eine lesbare Version übertragen haben.

Das Exemplar, das Straftaten von 1871 bis 1919 beschreibt, kann nun nach Absprache in den Räumen des Geschichtsvereins eingesehen werden. Die Titelseite ziert ein Foto des Amtsgerichts Oberkaufungen, in dem die meisten Helsaer Straftäter verurteilt wurden. „Wir haben den Zeitraum bis 1919 eingegrenzt, obwohl das Strafregister bis 1957 geführt wurde. Wir möchten aber niemanden in Verlegenheit bringen“, betont Herbert Brandt.

Auch in der Zeit um 1871 wurde Tierquälerei bereits bestraft. Ein Gänsedieb saß drei Monate lang ein, wer bettelte, musste bis zu vier Wochen ins Gefängnis. Auch Feldfrevel und Eisenbahntransportstörungen wurden geahndet. Mancher Bürger aus Helsa wurde zum Wiederholungstäter und machte sich laut Aufzeichnungen 20-mal strafbar.

Obwohl die Pferde brav nach Hause trabten, wurde ein Helsaer zu einem Tag Gefängnis verurteilt, weil er auf dem Kutschbock eingeschlafen war. Alternativ dazu konnte er einen Tagessatz von fünf Mark entrichten. Zur Zeit der Inflation schwoll der Tagessatz im Jahr 1923 bis auf 5000 Mark an.

Ungewöhnlich hart bestraft wurde ein 15-Jähriger im Jahr 1881. Wegen Beleidigung des Lehrers Koch erhielt er eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten und musste darüber hinaus die Kosten des Verfahrens tragen.

Für die Beleidigung des Gerichtsvollziehers, des Gendarmen und des Ortsvorstandes von Helsa wurde hingegen eine Gefängnisstrafe von sechs Tagen verhängt.

Archiv des Geschichtsvereins Helsa im Gemeindezentrum, Berliner Straße 20, geöffnet: mittwochs 9 bis 12 Uhr. Kontakt zu dieser Zeit: Tel. 05605/806 53 55, Infos: www.geschichtsverein-helsa.de

Von Bettina Wienecke

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