Vom Tagebau zum Tümpel

Neuer Lebensraum für Kröten und Molche im Kaufunger Stiftswald

Kaufungen. Bedrohte Kröten und Molche sollen im Kaufunger Stiftswald ein neues Zuhause finden. Ein ehemaliger Tagebau mitten im Wald wird zu einem Biotop für Amphibien umgestaltet, denen es anderswo an Lebensraum mangelt.

„Die Obere Naturschutzbehörde hat uns den Auftrag erteilt, Flächen für den Amphibienschutz zu suchen“, sagt Detlef Schmidt (Fritzlar), der sich ehrenamtlich und als Vorsitzender in der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz (AGAR) engagiert. In den 80er-Jahren seien ehemalige Tagebauflächen verfüllt worden, dadurch seien Arten, die auf Wasserlöcher und sandigen Boden angewiesen sind, vertrieben worden. Nur acht Prozent der Flächen in Hessen stünden unter Naturschutz. Deshalb sei man für das Anlegen von Biotopen auf private Flächen wie ehemalige Truppenübungsplätze der Bundeswehr angewiesen.

Video: Im Kaufunger Stiftswald entsteht ein Biotop für Amphibien und Reptilien

„Das Kaufunger Stift stellt die Fläche zur Verfügung. Zuerst haben wir sie von einer Spezialfirma von Büschen und Erlen befreien lassen, jetzt ist der Bagger im Einsatz“, erklärt Schmidt. Der Bagger hebt einen Tümpel mit Flachwasserzone aus. Der Sand, den er aus dem Boden holt, wird rund um den Tümpel verteilt, um den Mutterboden abzudecken und so Lebensraum für Amphibien und Sandwespen zu schaffen.

„Das Stift versteht sich als Wirtschaftsbetrieb, der Einnahmen zu gemeinnützigen Zwecken erwirtschaftet“, sagt Thilo von Gilsa, Obervorsteher des Stifts. „Gleichwohl fühlen wir uns auch dem Artenschutz verbunden. So lange uns niemand mit dem erhobenen Zeigefinger seinen Willen aufzwingen will, machen wir bei solch einem Projekt gerne mit.“ Seit dem Frühjahr unterstütze das Stift das Projekt aktiv.

8.000 bis 10.000 Euro wird das neue Biotop am Ende kosten. Finanziert wird es von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. Das Stift stellt das Gelände zur Verfügung, leistet aber keinen finanziellen Beitrag. Durch die Eigenleistung von AGAR-Mitgliedern, die Tatsache, dass keine Entschädigungen für die Fläche gezahlt werden müssen und dadurch, dass man ohne ein Planungsbüro auskommt, halten sich die Kosten in Grenzen.

Auch Carl Hellmold, Förster im Revier Oberkaufungen, ist bei dem Projekt dabei. „Diese Naturschutzmaßnahme soll die Artenvielfalt erhöhen“, erklärt er. Eine größere Artenvielfalt trage zur Stärkung und Gesundung des Waldes bei.

Rubriklistenbild: © Kessler

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