Karnevalistischer Gottesdienst in Helsa: Ovationen im Stehen für Pfarrerehepaar

Im Talar und mit Narrenhut

Hut ab: Pfarrer Matthias Friedrich (rechts im Hintergrund) unterhielt die Gottesdienstbesucher (vorn rechts die Helsaer Gäggägs) mit spitzer Zunge und Gesang. Foto: Dilling

Helsa. Zu Beginn des Gottesdienstes war alles wie sonst auch: Pfarrer Matthias Friedrich ließ einen Psalm beten und ein Kirchenlied singen. Doch dann setzte er seinen runden roten Narrenhut mit keck aufgesteckter Butterblume auf und und sagte: „Gott hat uns den Glauben und den Humor gegeben.“

Das war am Sonntag der Auftakt zu einem Gottesdienst, der am Ende bewies, dass das Pfarrerehepaar Matthias und Sabine Friedrich nicht nur bibelfest, sondern auch standfest in der Bütt, Pardon, auf der Narrenkanzel ist.

Dort, wo sonst Gott gepriesen und Barmherzigkeit gepredigt wird, bekamen die Helsaer ordentlich ihr Fett weg. „In Helsa zu leben, macht viel Freude“, sagte der närrische Pfarrer. Wenn da nur die „Befindlichkeiten“ nicht wären hinter der Fassade des „blitzblanken Fachwerkorts“. Der Helsaer sei „schnell beleidigt, schnell brüskiert“, meinte Friedrich und ließ auch die Honoratioren des Dorfs nicht ungeschoren. Da steckten immer die Leute, die in Helsa wichtig sind, im Rathaus die Köpfe zusammen, um ihre Fäden zu spinnen. Und Pfarrerin Sabine Friedrich sang unter dem Gelächter der Gottesdienstbesucher feixend vom „Tilo mit den elastischen Beinen“. Das war auf Bürgermeister Tilo Küthe gemünzt, der das Spektakel in der ersten Reihe verfolgte. „Streicht ihm mal über die Haare. Ein Bürgermeister muss gepflegt werden wie ein Pfarrer, damit er uns lange erhalten bleibt“, empfahl Pfarrer Friedrich.

Der „König von Preußen“ marode, das Gemeindehaus mit Gruppen überfüllt. „Wir brauchen ein Haus mitten im Ort“, forderte Friedrich. Und gleich eine „Seilbahn“ dazu. Letzteres meinte der Geistliche im übertragenen Sinn, nämlich ein Netzwerk von Ideen und Kontakten, die den Ort voranbringen. Am Ende gab es für das reimende, singende und musizierende Pfarrerehepaar, das von Tochter Anna-Maria unterstützt wurde, Ovationen im Stehen.

Von Peter Dilling

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