Auf Talentsuche in der Schulküche

Auch ein Omelett will gelernt sein: Lehrling Denny Grubert (rechts) passt auf, dass Martin Brück das flüssige Ei richtig verrührt. Mareike Lapacek (von links) und Sarah Fakhreddin schauen interessiert zu. Foto: Dilling

Baunatal. Kochen kann Spaß machen und auch eine Zukunftsperspektive liefern. Davon überzeugten sich Baunataler Schüler in einem workshop.

Jana Dombrowski von der Theodor-Heuß-Schule zerstampft mit einem Mörser die Limetten für den Caipirinha-Cocktail. An der Küchenzeile hinter ihr haben einige Schüler der THS-, der Erich-Kästner- und der Baunsbergschule unter der sachkundigen Anleitung von Denny Grubert, Kochlehrling im zweiten Lehrjahr im Hotel Scirocco, schon das Mousse au Chocolat zubereitet. In einer Ecke der Schulküche der EKS haben die Schüler einen Tisch festlich eingedeckt.

Beim ersten Workshop des Übergangsmanagements Schule-Beruf der Stadt Baunatal wurde die Schulküche für zehn Schüler, die bald ins Berufsleben wechseln sollen, zur Tribüne für den Gastronomiealltag. „Wir wollen das hier nicht als Volksfest verkaufen, sondern auch die Schattenseiten zeigen“, sagt Übergangsmanagerin Kerstin Müller-Leibold. Schichtarbeit, Feiertagsarbeit, wenn Andere ihre Freizeit genießen, das schrecke viele Jugendliche erst einmal ab, sagt Hotel- und Restaurant-Chef Marcel Werner. Doch er kommt gern in die Schule, um für Jobs in der Gastronomie zu werben. Guter Nachwuchs sei nicht so leicht zu finden. Die Aufstiegschancen seien gut.

Vivienne Schumacher hat sich von den Nachteilen des Gastronomie-Jobs („Meine Beine tun mir nach er Arbeit oft weh“) nicht abschrecken lassen. Die 17-jährige THS-Schülerin macht ein freiwilliges Langzeitpraktikum im Scirocco, zusätzlich und parallel zum normalen Schulunterricht. Die Hausaufgaben kann sie deshalb oft erst am Abend erledigen. Das Engagement hat sich schon ausgezahlt. Im Herbst könne Vivienne bei ihm eine Lehre anfangen, bestätigt Hotelchef Werner.

Nicht alle ihre Altersgenossen im Gastronomie-Workshop sind so zielstrebig wie Vivienne. Jana Dombrowski sagt, sie finde die Arbeit schon „interessant“, sie wolle die erworbenen Kenntnisse aber vor allem für sich privat nutzen. Sie suchten noch nach einer Idee für einen Beruf, erklären Mareike Lapacek und ihre ebenfalls 16 Jahre alte Mitschülerin Sarah Fakhreddin von der EKS.

Es ist ja auch ein Fortschritt zu erkennen, welche Tätigkeit einem nicht liegt. Das erspart später in der Lehre böse Überraschungen. Der Workshop sei neben den normalen Schulpraktika, dem „Café Beruf“ und den berufsvorbereitenden Kursen in den Schulen ein weiterer Baustein zur Orientierung und Vorbereitung auf den Arbeitsalltag, sagt Müller-Leibold. Außerdem werde den Schülern die Chance geboten, ihre Fähigkeiten und ihren Einsatzwillen in der Praxis unter Beweis zu stellen und Kontakte zu Arbeitgebern zu knüpfen, meint Lehrerin Michaela Koch von der EKS.

Die Workshops sollen mit weiteren Berufsfeldern, beispielsweise Gartenbau , Metall und Elektro, fortgesetzt werden. Dafür werden noch interessierte Unternehmen und Betriebe gesucht.

Kontakt: Stadt Baunatal, Kerstin Müller-Leibold, Tel. 05 61/ 94 92 8 74.

Von Peter Dilling

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