Kraft- und Balanceübungen helfen Kindern, sich im Unterricht besser zu konzentrieren

Tankstelle für Schüler

Sie lernen die Energietankstelle kennen: Ergotherapeutin Claudia Bürmann zeigt Paula (von links), Lucia, Jan Luca, Tom und Sophia, wie sie mit kleinen Kraft- und Balanceübungen wieder fit für den Schulunterricht werden. Foto: Kothe

helsa. Auf dem kleinen Tisch unter der Fensterbank liegen eine Menge Utensilien: Knautschbälle, Sanduhren, Flex-Bänder, Sandkissen. Lucia (7) und Tom (8) besuchen die zweite Klasse der Eschenwaldschule in Eschenstruth. Sie lernen gerade an der neuen Energietankstelle, was es mit den elastischen Gummibändern auf sich hat.

Die beiden stehen am Tisch auf einem Holzpodest und ziehen das Gummiband ganz fest mit den Armen auseinander. Etwa eine halbe Minute lang. Eine Sanduhr stoppt die Zeit. Derweil balanciert ihr Körper auf dem Podest, die Muskeln arbeiten. Lucia und Tom spüren, wie sie sich anspannen und letztlich entspannen. „Nun kann ich mich wieder besser konzentrieren“, sagt Tom als er fertig ist. „Das Lernen wird wieder leichter“, ergänzt Lucia.

Schnell haben sie gelernt, dass sie mit dieser kurzen Übung während des Unterrichts neue Energie tanken können, wenn sie schlapp und müde sind. An der Energietankstelle stehen verschiedene Kraft- und Balanceübungen zur Auswahl, die die Schüler eigenverantwortlich nutzen können. Ziel ist es, Aufmerksamkeit und Konzentration zu stärken, wenn der Unterricht einiges abverlangt.

„Immer mehr Kinder fallen heutzutage durch Bewegungsunruhe, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen oder andere Verhaltensschwierigkeiten auf“, sagt Ergotherapeutin Claudia Bürmann aus Witzenhausen, die die regulativen Hilfen entwickelt hat. Die Ursache sieht sie unter anderem in einer immer schneller werdenden und von Reizen überfluteten Umwelt, die das Nervensystem überlastet. „Die Übungen helfen, Energie zu tanken und zur Ruhe zu kommen“, erklärt sie. Lernaufgaben könnten so wieder bewältigt werden, und der Kopf werde frei für neue Lerninhalte.

Bürmann zeigt Sophia, was sie mit dem Sandkissen anfangen kann. Die Siebenjährige legt es auf ihren Kopf. Etwa eine Minute versucht sie, es im Gleichgewicht zu halten. Das findet sie „gar nicht schwer“. „Diese Übung schult die Körperwahrnehmung. Hilft, sich zu zentrieren“, erklärt die Ergotherapeutin. Die Hanteln oder Knautschbälle dienen dazu, sich selbst, Anspannung und Entspannung zu spüren.

Die Energietankstelle ist seit Oktober fester Bestandteil in den Klassen der Eschenwaldschule - finanziert von der Aktion „Kinder für Nordhessen“. Von der Idee profitieren beide Seiten: Lehrer und Schüler sind von den spielerischen Tricks begeistert, die das Lehren und Lernen erleichtern. Ein weiterer Effekt: Die Kinder lernen sich und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen. „Sie bekommen ein Verständnis für den eigenen Körper. Lernen, wann es Zeit ist, wieder mal aufzutanken“, sind sich Klassenlehrerin Petra Heinemann und Deutschlehrerin Claudia Neef einig.

Spendenkonto: 66 77 99

Kasseler Sparkasse

BLZ 520 50353

Von Helga Kristina Kothe

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