Die HNA zeigt die Karte exklusiv

Nach langer Ungewissheit steht fest: So verläuft die A44 im unteren Lossetal

Kaufungen/Helsa. Nachdem Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vergangenen Freitag die Planung für die A44 bei Kaufungen grob vorgestellt hat, präsentieren wir hier nun die Details. Erstmals ist auch die Karte mit dem geplanten Verlauf der A44 zwischen Kassel und Helsa zu sehen.

Dies sind die markanten Punkte des Autobahnabschnitts von Westen nach Osten:

Dreieck Kassel-Ost

Lesen Sie auch:

- Bundesrechnungshof: Prüfung von A44-Planung bald abgeschlossen

Die heutige Anschlussstelle Kassel-Ost wird zu einem Dreieck umgebaut. Dabei entfällt die Autobahnauf- und abfahrt bei Kaufungen-Papierfabrik. Die Planer haben laut Hessen Mobil verschiedene Alternativen untersucht, um die Anschlussstelle trotz Autobahndreieck zu erhalten. Sie seien aber alle problematisch. Die Varianten müssten im Planfeststellungsverfahren abgewogen werden. Die Kommunen Kaufungen, Niestetal und Kassel sowie örtliche Unternehmen machen sich für den Erhalt der Anschlussstelle stark, weil sie längere Verkehrswege und mehr Lärm für die Anwohner befürchten.

Querung von Losse, Leipziger Straße und Lossetalbahn

Entgegen der Planung von 2006 werden Losse, Leipziger Straße und Lossetalbahn nicht untertunnelt, sondern überquert. Dazu werden zwei 87 und 88 Meter lange Brücken gebaut: eine über die Losse, eine über die Leipziger Straße und die Straßenbahn. Das FFH-Gebiet Lossewiesen bleibt erhalten. Die Brückenlösung ist billiger als die Troglösung, die mit 51 Mio. Euro angesetzt war.

Anschlussstelle Kaufungen

Sie ersetzt die heutige Auffahrt Kassel-Ost. Neu gegenüber der Planung von 2006 sind zwei Kreisel zur Anbindung der B 7 und der Straßen nach Lohfelden und Papierfabrik.

Lärmschutz

Mangelnder Lärmschutz war ein Hauptkritikpunkt an der Planung von 2006, damals waren nur Wälle vorgesehen. Die neue Planung sieht einen durchgängigen Lärmschutz vor – mit Wällen und Wänden, auch auf den Brücken. So werde laut Hessen Mobil auch der Grenzwert von 49 dB(A) für die Nacht unterschritten. Nur in einem kleinen Bereich von Papierfabrik werde es Überschreitungen geben, denen man mit passivem Lärmschutz (Schallschutzfenster) begegnen wolle. Die Lärmschutzwände sind bis zu 4,50 Meter hoch.

Trinkwasserbrunnen Kohlenstraße bleibt erhalten

Die Gemeinde Kaufungen hatte den Erhalt des Trinkwasserbrunnens mit Nachdruck gefordert. Dem wird entgegen früherer Planungen nun stattgegeben. Dafür wurde der geplante Parkplatz mit WC in diesem Gebiet gestrichen.

Keine dritte Fahrspur

Verzichtet wird auch auf früher geplante dritte A 44-Fahrspuren zwischen der Anschlussstelle Kaufungen und der Grünbrücke jeweils in den Steigungsbereichen in beiden Fahrtrichtungen. Möglich ist dies laut Hessen Mobil wegen einer rückläufigen Verkehrsprognose.

Rückbau der B7

Die B7 wird im Bereich der Lossebrücke und bei Oberkaufungen zurückgebaut und entsiegelt. Sie steht dort also nicht als Umleitung bei Sperrung der A44 zur Verfügung. Der Verkehr wird stattdessen über die Kreisstraße 7 mitten durch Helsa und Kaufungen geführt.

Dies ist einer der Hauptkritikpunkte aus den beiden Gemeinden, sie lehnen diese Lösung ab. Der Landkreis hat angeboten, die B7 zu übernehmen.

Laut einem von Hessen Mobil in Auftrag gegebenen Gutachten wird es auf der Umleitungsstrecke zu Staus in den Gemeinden kommen. Dies sei aber nicht anders als in anderen Kommunen und hinnehmbar, weil relativ selten. Die Straßenbreite in Helsa und Kaufungen sei für den Umleitungsverkehr ausreichend.

A44 auf B7-Trasse

Zwischen Oberkaufungen und Helsa wird die A44 auf der heutigen B7-Trasse verlaufen, die Bundesstraße verschwindet also auch hier. Während der A44-Bauarbeiten steht die B7 allerdings für den Verkehr zur Verfügung.

Darüber hinaus fordert der Bundesrechnungshof laut Hessen Mobil, die A 44 auch bei Niederkaufungen auf der B7-Trasse zu führen. Hessen Mobil lehnt dies mit Hinweis auf den dann viel aufwendigeren Lärmschutz ab.

Grünbrücke

Eine 50 Meter breite Grünbrücke soll allen Tieren, insbesondere auch dem Luchs und der Wildkatze, den Wechsel zwischen Stiftswald und Kaufunger Wald ermöglichen.

Von Peter Ketteritzsch und Holger Schindler

Das sagt der Rechnungshof

Seit rund zwei Jahren prüft der Bundesrechnungshof die Wirtschaftlichkeit der vom Land Hessen vorgelegten neuen Planung für die A44 zwischen Kassel und Helsa. Nun ist ein Ende des langwierigen Verfahrens absehbar. „Wir sind optimistisch, die Prüfung noch im Frühjahr abschließen zu können“, sagte eine Sprecherin auf HNA-Anfrage. Man gehe davon aus, dass letzte Fragen zur Linienführung und zur Trinkwasserversorgung in den nächsten Wochen geklärt werden können.

Hauptkritik des Rechnungshofs an der ursprünglichen Planung war der parallele Verlauf von A44 und Bundesstraße 7 im Lossetal. Seit den 1980er-Jahren lehnen die Finanzwächter parallel verlaufende Straßen in der Regie des Bundes ab. Das Votum des Rechnungshofs ist für die Politik allerdings nicht bindend. Im Fall der A 44 hat das Land reagiert: Die neue Planung sieht vor, dass die B7 zwischen Oberkaufungen und Helsa größtenteils wegfällt.

Nach Abschluss der Prüfung ist das Bundesverkehrsministerium am Zuge. Gibt dieses grünes Licht für den Trassenentwurf, beginnt beim Land das Planfeststellungsverfahren. Dabei wird die Linienführung der A44 exakt festgelegt. Dagegen kann geklagt werden. (ket)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.