Teil der Pacht für Kommunen?

Windpark Söhrewald: Al-Wazir will Bürgerbeteiligung an Windkraftanlagen

Söhrewald/Kassel. Für das Land Hessen in Gestalt von Hessen-Forst ist die Energiewende ein lukratives Geschäft: Für jedes Windrad, das im Wald errichtet wird, kassiert Wiesbaden üppige Pacht. Allein für jede der Anlagen, die die Städtischen Werke in der Söhre errichtet haben, fließen dem Vernehmen nach mindestens 50.000 Euro pro Jahr.

Offiziell werden allerdings keine Zahlen genannt.Während das Land kassiert, sehen viele Anrainer kaum Geld: Bestenfalls erhalten sie einmal Gewerbesteuerzahlungen von den Windradbetreibern. Von dem Pachtzins, der an das Land fließt, sehen sie nichts.

Aktualisiert um 19.21 Uhr

Das könnte sich vielleicht ändern. Bei einem Besuch in der Söhre erklärte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwoch, dass das Land derzeit prüfe, ob die Kommunen an Pachteinnahmen für Windkraftflächen beteiligt werden. Ob in Wiesbaden tatsächlich eine Lösung für dieses Problem gefunden wird, konnte der Minister allerdings nicht versprechen.

Dabei könnten die Windkraftbetreiber durchaus von einer solchen Lösung profitieren. Schließlich sind zahlreiche Kommunen bereit, in Windkraftanlagen zu investieren, können es aber nicht. „Wir haben keine Finanzkraft“, sagte Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD) am Mittwoch zu Minister Al-Wazir Der Wirtschafts- und Energieminister fuhr bis hinauf in das Maschinenhaus in 140 Meter Höhe.

Besichtige das Windrad an der Anlage zwei: Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Foto: Wüstefeld

Dass die Beteiligung an der erneuerbaren Energie wichtig ist, steht für Al-Wazir außer Frage: „Wir müssen beim Ausbau der Energiewende vorankommen, die Windkraft ist da der wichtigste Pfeiler.“ Denn im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten sei diese Option die kostengünstigste und „hat das größte Potenzial“. Und so soll die Windkraft einen großen Anteil daran leisten, wenn Hessen in dieser Legislaturperiode den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung verdoppeln möchte.

Die Bürger sollen, wenn es nach Al-Wazir geht, dabei mit einbezogen werden: „Es ist ein wesentliches Merkmal der Energiewende, dass sie den Bürgern ermöglicht, sich aktiv zu beteiligen“, sagte der Minister. Befürwortet werden deshalb Bürgerwindparks und genossenschaftliche Modelle, wie es auch bei dem Windpark Söhrewald / Niestetal vorgesehen ist: Die Städtischen Werke Kassel wollen die Bürger über regionale Genossenschaften prozentual an den Anlagen beteiligen. Das betonte Vorstandschef Andreas Helbig, dessen Unternehmen 38 Millionen Euro in die Anlagen investiert hat. Genau wie Bürgermeister Steisel sieht er jedoch ein Problem im Geld: „Wir haben mit dem Windpark Söhrewald ein regionales Projekt, an dem sich die Bürger beteiligen sollen, die Anlagen als die ihren ansehen sollen“, sagte Helbig. Das gehe aber nur, wenn man die Finanzkraft der Bürger und Kommunen berücksichtige und sie nicht von Beginn an durch zu hohe Pachten indirekt ausschließe.

Von Constanze Wüstefeld

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