Regierungspräsidium will nur optimale Standorte genehmigen – Vermutlich Aus für Anlagen am Sensenstein

Tauziehen um die Windräder

So bläst der Wind im Landkreis Kassel: Die rot markierten Stellen zeigen die besten Standorte. Hier weht der Wind in 140 Metern über dem Boden mit durchschnittlich 6,5 Metern pro Sekunde. Karte: TÜV Süd/nh

Kreis Kassel. In welcher Kommune können neue Windkraftanlagen errichtet werden, welche Standorte fallen weg? Darauf will das neue regionalplanerische Windenergiekonzept des Regierungspräsidiums (RP) Kassel Antwort geben, das derzeit erarbeitet wird.

Das RP informierte die Kreiskommunen am Dienstag über den Stand der Dinge. Dabei dürften manch schöne Pläne zum Aufbau neuer Windkraftanlagen zu Grabe getragen worden sein. Zum Beispiel die von Nieste, Niestetal und Kaufungen zwischen Gut Windhausen und dem Sensenstein. Die Räder würden hier den Mindestabstand zur Wohnbebauung unterschreiten. Niestetal bliebe nur eine kleine Fläche an der A 7 oberhalb von Sandershausen erhalten.

Hintergrund: Nur zwei Prozent der Landesfläche in Hessen sollen als Windvorrangbereiche ausgewiesen werden. Im Landkreis Kassel wären das 2600 Hektar, theoretisch aber sind sieben Prozent oder 12 000 Hektar geeignet, weil dort 140 Meter hoch über dem Boden mindestens 5,75 Meter Wind pro Sekunde gemessen wurden.

1000 Meter Abstand

Das Regierungspräsidium will daher die riesigen, bis zu 200 Meter in den Himmel reichenden Windräder nur dort in die Landschaft pflanzen lassen, wo der Ertrag besonders hoch und die Belastungen für Mensch und Natur vergleichsweise niedrig sind, erläutert Wolfgang Kaivers, beim RP fürs neue Windenergiekonzept zuständig.

Im Landkreis Kassel sollen danach knapp 600 Hektar mögliche Windfläche wegfallen, weil die riesigen Räder zu nahe an den Orten (weniger als 1000 Meter Abstand) und an Einzelgebäuden (weniger als 600 Meter) stehen würden.

Entwurf im Herbst fertig

6948 Hektar hält die Regionalplanung für ideal geeignet, 2872 Hektar für bedingt geeignet. Und 1700 Hektar kommen aus Gründen des Naturschutzes oder der Interessen der Forstwirtschaft nicht infrage.

Jetzt haben die Kommunen Gelegenheit, zu den Vorgaben des RP Stellung zu beziehen. Kaivers: „Je besser die Argumente sind, mit desto mehr Gewicht werden sie in die Entscheidung einbezogen.“

Wolle eine Gemeinde aber auf Flächen Windräder stellen, die nicht im Regionalplan dafür ausgewiesen sind, wären aufwendige und teure Messungen über ein ganzes Jahr notwendig.

Kaivers rechnet damit, dass der RP-Entwurf des neuen Windenergiekonzeptes im Herbst fertiggestellt ist und dann der Regionalversammlung zur Entscheidung vorgelegt werden kann. Die sehr guten Windstandorte liegen vor allem im nördlichen Landkreis auf den Höhenzügen des Reinhardswalds. Im Altkreis Kassel zählen nur 419 Hektar im Bereich der Gemeinde Söhrewald und 37 Hektar bei Niestetal zu den optimalen Standorten.

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Von Thomas Stier

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