Hügel machen süchtig

HNA-Volontärin probiert sich beim Pumptrack fahren

Baunatal. Am Pfingstmontag wird in Baunatal das erste Pumptrack-Rennen veranstaltet. Deshalb hat sich HNA-Volontärin Anna Lischper selber mal auf die Hügel begeben - und spürte den Suchtfaktor.

Als Radfahrerin hatte ich schon immer ein Faible für Bürgersteig-Kanten. Ich fahre gerne Rennrad, aber Rennräder mögen keine hohen Kanten. Vom Mountainbike habe ich Abstand genommen - zu unschick. Deshalb fahre ich derzeit mit einem alten Hollandrad durch die Gegend - wie bei einem Oldtimer ist da ein sensibler Umgang gefragt. Und jetzt kommt der Selbstversuch im Pumptrack. Endlich darf ich Hügel mitnehmen, mich in Kurven legen und dank Ausrüstung muss ich nicht nachdenken, ob ich meinem Rad oder mir selbst weh tue. Das sind meine Vorstellungen zu einem Zeitpunkt, wo ich noch nicht ahne, welche Körperkraft unscheinbare Hügel abverlangen.

Natürlich habe ich mir im Voraus bereits Videos angesehen: Mit Schützern und Helm ausgestattete Personen bewegen sich elegant - wie Reiter auf ihrem Pferd - über eine Landschaft aus Erdhügeln. Mit Pferden stehe ich auf Kriegfuß aber mit der Art der Fortbewegung kann ich mich schnell anfreunden: Mein Pferd ist ein Dirtbike, ein Mountainbike mit kleinerem Rahmen, weil es speziell für Sprünge gebaut ist.

Fotos vom Selbsttest

Pumptrack-Rennen in Baunatal und Selbstversuch von Anna Lischper

Um ein Gefühl für das Rad zu bekommen, das mir Streetworker Pascal Adam vertrauensvoll zur Verfügung stellt, fahre ich ein paar Runden auf dem Asphalt. Ich merke, wie sich mein Körper hinsetzen will, aber dafür sind diese Räder nicht vorgesehen. Schnell drängt mich meine Neugierde auf die Pumptrack-Strecke: Kann ich auch so elegant wie die Profis über die Hügel fahren? Bekleidet mit Brustschutz, Beinschonern und Helm fühle ich mich wie ein kleiner Gorilla. Am Rand stehen die Streetworker, ein Fotograf, mein Volontärskollege, der filmt und - meine Vorbilder - Sebastian Konsek und Kevin Ociepka. Die Maschinenbau-Studenten fahren seit fünf Jahren Pumptrack und Downhill und haben die Strecke mit aufgebaut. Vor ihnen will ich mich nicht blamieren.

HNA-Volontärin Anna Lischper

Ich schiebe mein Rad auf einen der Hügel, ermuntere mich innerlich, nicht zu viel nachzudenken und rolle. Langsam. Denn ich muss erst einmal herausfinden, wie ich von Hügel zu Hügel komme. Immer wieder hole ich Schwung, indem ich in die Pedalen trete. Darauf sollte beim Pumptrack weitgehend verzichtet werden. Deshalb versuche ich, mit meinem Körper Schwung zu erzeugen, um an der richtigen Stelle das Rad zu be- und zu entlasten. Das ist nicht einfach und braucht Koordination.

Ich bin angespannt und spüre meinen Herzschlag. Die Hügel sehen von oben relativ hoch aus und wenn ich alles richtig machen will, dann beuge ich meinen Oberkörper nach vorne und unten, wenn ich abwärts fahre. Ein paar Hügel weiter macht das plötzlich Spaß und sorgt für Adrenalin pur.

Nach einigen holprigen Runden bin ich so weit, dass ich eine Runde schaffe ohne anzuhalten. Ich werde besser und höre Lobrufe von außen. Das tut gut und spornt mich an, das Tempo zu erhöhen und die Kurven zu nutzen. Meine Vorstellungen realisieren sich und ich erreiche mein Ziel: in einen Flow zu kommen, wo ich nicht mehr aufhören kann.

Von Anna Lischper

Rubriklistenbild: © Koch, Lothar

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