Ärger um neue Abfallsatzung der Gemeinde Kaufungen – Neue Mindestmenge: 20 Liter Abfall pro Person

Ärger um neue Abfallsatzung: Eheleute zahlen drauf

Noch Platz in der Abfalltonne: Monika (47) und Wolfgang (50) Klaus aus Kaufungen müssen ihre 80-Liter-Tonne gegen eine größere tauschen. Dabei ist auch die bestehende kleinere Tonne längst nicht voll. Foto: Schindler

Kaufungen. Obwohl die Gemeinde Kaufungen die Müllgebühren zum 1. Januar gesenkt hat, gibt es nun Ärger. So muss ein Ehepaar für die Entsorgung des Abfalls jetzt 17,5 Prozent mehr bezahlen. Statt 240 Euro sind nun 282 Euro pro Jahr fällig – 42 Euro mehr.

Grund ist eine Änderung der Abfallsatzung der Gemeinde. Die verlangt seit dem Jahreswechsel pro Kopf ein Mindestvolumen von 20 Litern Müll. Bisher konnte man in Kaufungen die Tonnengröße nach Bedarf frei wählen.

Da im Haushalt von Monika und Wolfgang Klaus mit ihren drei Kindern fünf Personen leben, müssen sie nun von der 80-Liter-Tonne auf die nächstgrößere 120-Liter-Tonne umsteigen. Macht 192 Euro (statt bisher 150 Euro). Hinzu kommt in Kaufungen – anders als in allen anderen Landkreis-Gemeinden – eine Pro-Kopf-Gebühr von 18 Euro. Die Endsumme beträgt somit 282 Euro.

Monika Klaus will das nicht hinnehmen. Sie hat Widerspruch eingelegt und einen Termin mit Bürgermeister Arnim Roß (SPD) vereinbart.

Der verweist auf die Satzung des Landkreises Kassel. Die sieht in Paragraph 12 die 20-Liter-Mindestmenge vor. „Der Kreis hat darauf gedrungen, das jetzt auch in Kaufungen umzusetzen“, sagt der Bürgermeister. Die 20-Liter-Vorgabe in der Kreis-Satzung gilt bereits seit 1994, alle Kommunen im Kreis haben sie schon lange umgesetzt, nun auch Kaufungen.

Durch die zusätzliche Pro-Kopf-Gebühr in Kaufungen wird die Müllabfuhr in der Gemeinde allerdings viel teurer als in den meisten der 29 Kreisgemeinden. So würde die Familie, würde sie etwa in der Nachbargemeinde Niestetal leben, für die gleiche Leistung nur 265,20 Euro zahlen.

Familie Klaus fühlt sich nun doppelt bestraft. „Das ist doch nicht familienfreundlich“, sagt Monika Klaus. Kaufungen werbe für sich als familienfreundliche Gemeinde; diese Gebührenpolitik sei aber das genaue Gegenteil, weil sie gerade größere Familien stärker belaste.

Die 120-Liter-Tonne sei viel zu groß für die Familie, argumentiert sie. Denn vieles ernten sie im eigenen Garten, und der anfallende Abfall werde konsequent getrennt. „Uns würde auch eine 50-Liter-Tonne reichen“, sagt Wolfgang Klaus. Als ärgerlich empfindet er, dass die Müllvermeidung nicht honoriert, sondern konterkariert werde.

Von der 20-Liter-Regelung seien fünf Prozent der Kaufunger betroffen, sagt Bürgermeister Roß. Dass die neue Gebührenordnung möglicherweise zu Verzerrungen führt, scheint den Politikern vor Ort nicht verborgen geblieben zu sein. So wird auf SPD-Initiative in den Ausschüssen der Gemeindevertretung bereits über die Frage diskutiert, ob die personengebundene Gebühr von 18 Euro noch zeitgemäß ist.

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Von Holger Schindler

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