Staatstheater erhält kein Geld aus VW-Stadt

Baunatal. Die Stadt Baunatal wird sich nicht an den Kosten des Staatstheaters Kassel beteiligen, indem sie zum Beispiel dessen Förderverein beitritt oder einzelne Aufführungen unterstützt. Das beschloss das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung mit der breiten Mehrheit von SPD und CDU (35 Stimmen).

Nur die dreiköpfige Grünen-Fraktion, die den Antrag gestellt hatte, stimmte dafür.

3000 Euro Förderung pro Jahr sollten es sein, laut Grünen-Sprecherin Juliane Kothe „ein überschaubarer Betrag“. Alternative könnte ein Zuschuss sein, etwa zum Weihnachtsmärchen.

Man plädiere für diese Unterstützung, weil das Staatstheater Geld benötige, auf der Stadt Kassel eine Last von 48 Prozent der Kosten laste, aber 32 Prozent der Besucher aus dem Kreis Kassel kämen, so Kothe.

Nutzer aus Kassel

Dem hielt Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) entgegen, dass auch die VW-Stadt Angebote finanziere, die nicht nur Baunatalern zugute kommen. So überweise man jährlich 70 000 Euro an die heimische Musikschule, die zehn Prozent Schüler aus Kassel habe. Unter den Besuchern Aqua-Park seien laut Befragungen sogar 20 Prozent Kasseler. Das Schwimmbad bezuschusst die Stadt Baunatal in diesem Jahr mit 1,65 Millionen Euro.

Schaubs Forderung lautete daher: Das Land Hessen müsse seinen Anteil am Theater, aktuell 52 Prozent, erhöhen.

Außerdem sei ihm nur eine Gemeinde im Kreis bekannt, Niestetal, die dem Förderverein angehöre, sagte der Rathauschef. Andere Kommunen kauften allenfalls größere Kartenpakete für Seniorenveranstaltungen. Von vier Gemeinden hatte Kothe gesprochen.

Studie der Uni

Das alles rief Grünen-Fraktionschef Edmund Borschel auf den Plan, der aus einer Studie der Uni Kassel über Stellenwert, Fakten und Zahlen des Staatstheaters referierte. Konkret im Blick auf Baunatal war daraus zu entnehmen, dass 20 der 511 Mitarbeiter des Theaters – etwa zwölf Prozent – in Baunatal leben und in der VW-Stadt Steuern zahlen.

Darüber hinaus löse jeder Euro fürs Staatstheater eine wirtschaftliche Wirkung von 1,42 Euro aus, wovon 2,9 Millionen Euro auf die Region um Kassel entfielen. so Borschel. Auch machten die geforderten 3000 Euro gerade mal 0,004 Prozent der Einkommenssteuer-Einnahmen Baunatals von 11,4 Millionen Euro aus.

Borschel nannte es „ärmlich“, dass Baunatal nicht einmal 500 Euro ausgeben wolle. Er betonte, wieviel bedeutsamer das Staatstheater gegenüber dem Baunataler Boulevardtheater in der Stadthalle sei. Schließlich kritisierte er die fehlende inhaltliche Diskussion über den Grünen-Antrag. Es sei nicht richtig, dass die SPD ihr Nein zum Zuschuss per Pressemitteilung kundgetan habe.

Von Ingrid Jünemann

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