Interview: Thomas Ackermann über seine dreimonatige Zeit als Landtagsabgeordneter in Wiesbaden

Nur drei Monate im Landtag: „Es war eine spannende Zeit“

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Thomas Ackermann

Fuldatal. Ende Oktober rückte der Fuldataler Grüne Thomas Ackermann für seine Parteikollegin Kordula Schulz-Asche in den Hessischen Landtag nach und schied Mitte Januar mit Ende der Legislaturperiode wieder aus.

Schulz-Asche war in den Bundestag gewählt worden. Wir sprachen mit Thomas Ackermann über seine Zeit in Wiesbaden.

Herr Ackermann, wie haben Sie in den drei Monaten die Landespolitik wahrgenommen?

Thomas Ackermann: Es war keine große Umgewöhnung. Ich mache seit 20 Jahren auch Landespolitik, kenne viele Menschen in Wiesbaden und auch die Themen sind mir nicht fremd. Ungewohnt war, dass man einen Mitarbeiterstab hat, ich Aufgaben delegieren konnte. Generell unterscheidet sich der parlamentarische Ablauf im Landtag aber nicht so sehr von dem im Kreistag.

Sind Sie traurig, nicht mehr im Landtag zu sitzen, jetzt, da die Grünen in der Regierungsverantwortung sind?

Ackermann: Ich bin froh, dass die Grünen in der Regierung sind, und hätte die Politik gern weiter mitgestaltet, aber die Frage stellte sich nicht. Es war eine spannende Zeit, ich habe an Sitzungen der Fraktion, von Ausschüssen und an drei Plenarsitzungen teilgenommen und dort sogar eine Rede gehalten. Darauf warten Abgeordnete in anderen Fraktionen zwei Jahre. Und ich hatte viele Termine und kam vor Weihnachten auf eine 80-Stunden-Woche. Das war Stress, aber positiver.

Die Entscheidung, für drei Monate einen Nachrücker nach Wiesbaden zu schicken, stand in der Kritik. Musste das sein?

Ackermann: In unserer demokratischen Grundordnung stellt sich diese Frage gar nicht. Wenn jemand aus dem Landtag ausscheidet, muss jemand nachrücken. Hätte Kordula Schulz-Asche beide Mandate in Bund und Land behalten, wäre dieses mit Sicherheit nicht gut angekommen. So griff das normale Prozedere, und das ist gut so.

Waren die drei Monate in Wiesbaden für Sie nur eine politische Episode, oder werden Sie sich jetzt verstärkt darum bemühen, wieder in den Landtag einzuziehen? 

Ackermann: Ich war seit 2000 immer Direktkandidat der Grünen für den Bundes- oder Landtag. Zur jüngsten Wahl hatte ich mich damals aus gesundheitlichen Gründen nicht auf die Liste stellen lassen, ich kann also nicht wieder nachrücken. Aber wer weiß, was in fünf Jahren ist? Ich habe auf meine Arbeit in den drei Monaten durchaus positive Rückmeldungen bekommen.

Also eine Karriere als Profi-Politiker? 

Ackermann: Das war nie mein Weg. Aber es ist wichtig, dass Leute aus dem normalen Leben in den Landtag kommen. Selbst aus dem öffentlichen Dienst waren zuletzt unter 118 Abgeordneten nur sechs. Zum Beispiel ist unter den neuen CDU-Ministern nur einer kein Jurist.

Was haben Sie in dieser Zeit konkret bewirken können? 

Ackermann: Beim Thema Fracking habe ich mich dafür eingesetzt, schon das Aufsuchen von Gas in tiefen Gesteinsschichten zu verhindern. Darum ging auch meine Rede im Landtag. Jetzt steht dies im Koalitionsvertrag. Oder beim Thema Energiewende, die Windkraft weiter nach vorn zu bringen. Auch das hat die Koalition aufgenommen. Ich war im sozialpolitischen Ausschuss, in dem drei, vier Gesetze auf den Weg gebracht wurden. Sonst hätten zum Beispiel die Frauenhäuser zum Jahreswechsel ohne Geld dagestanden. Politik ist auch Tagesgeschäft.

Konnten Sie in Wiesbaden Kontakte knüpfen, von denen Ihr Wahlkreis und konkret Fuldatal profitieren kann? 

Ackermann: Kontakte hatte ich ja vorher schon durch sehr viele Treffen mit Grünen-Politikern wie zum Beispiel Antje Vollmer, Priska Hinz oder Mathias Wagner in Fuldatal in der Reinhardswaldschule oder dem Wassererlebnishaus. Es gibt aber generell in Wiesbaden das Problem, unsere nordhessischen Besonderheiten zu vermitteln.

Wie haben Ihre Kollegen in der Lohfeldener Verwaltung auf Ihr Fehlen reagiert?

Ackermann: Sie haben sich für mich gefreut, weil ich das Landtagsmandat ja errungen hatte. Und sie freuen sich jetzt, dass ich meine Aufgaben wieder übernehme.

Von Peter Ketteritzsch und Michael Schräer

Zur Person

Thomas Ackermann (46) stammt aus Fuldatal. Nach dem Abitur an der Goetheschule studierte er Vor- und Frühgeschichte in Marburg, lernte dann Bauzeichner/Bautechniker und bildete sich zum technischen Betriebswirt weiter. Er arbeitet in einem Kasseler Ingenieurbüro, seit Sommer 1999 ist er als technischer Angestellter bei der Gemeinde Lohfelden.

Der verheiratete Vater zweier Kinder wurde 2000 Mitglied der Grünen. Von 2001 bis heute ist er Kreisbeigeordneter, Gemeindevertreter/Fraktionsvorsitzender der Grünen in Fuldatal. Seit 2006 gehört er der Regionalversammlung Nordhessen an, seit 2011 als deren stellvertretender Vorsitzender. Ackermann ist ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht und Vorsitzender des Hockeyclubs Kassel. (mic)

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