Fundtiere aus dem Landkreis landen in den meisten Fällen im Tierheim Kassel

Soll Tieren helfen, bekommt aber zu wenig Unterstützung von den Kommunen: Das Tierheim Wau-Mau-Insel in Kassel nimmt viele Tiere aus dem Landkreis auf, die meisten bleiben über Monate. Foto: Malmus

Kreis Kassel. Ob schwer erziehbar, krank, abgemagert oder aggressiv - Karsten Plücker gibt in seinem Tierheim, der Wau-Mau-Insel in Kassel, vielen Fundtieren ein vorübergehendes Zuhause.

Die Hälfte aller Fund- und Abgabetiere kommt aus dem Landkreis, da die meisten Kommunen keine Tierschutzeinrichtungen haben. Trotzdem zeigten sich die Kommunen wenig kooperativ, sagt Tierheimleiter Karsten Plücker.

Zwölf Kommunen würden die Wau-Mau-Insel derzeit nutzen. Zwei davon, das sind Baunatal und Fuldatal, zahlen, wie auch die Stadt Kassel, eine Pauschale pro Jahr, die konstant bleibt, egal, wie viele Fundtiere aus der jeweiligen Gemeinde abgegeben werden. Die restlichen zehn, das sind Ahnatal, Espenau, Fuldabrück, Hofgeismar, Immenhausen, Kaufungen, Lohfelden, Niestetal, Vellmar und Söhrewald, zahlen laut Plücker immer dann, wenn ein Tier da ist.

Für einen Hund seien das pro Tag Aufenthalt 8,36 Euro, für die Katze 4,16 Euro und für ein Kleintier 1,50 Euro. Zusätzlich müsse die Kommune für Hund und Katze eine Pauschale von 60 Euro zahlen, für ein Kleintier 15 Euro. Die werden investiert in Impfungen und tierärztliche Untersuchungen.

„Wir haben die Preise noch in Zeiten der Deutschen Mark festgelegt, damit nicht pro Tier überlegt werden muss, was gezahlt wird“, sagt Plücker. Aufgrund steigender Kosten für Strom und Reparaturen seien die Preise aber veraltet. „Wir können damit weder anbauen noch anfallende Reparaturen abdecken.“

Karsten Plücker

Mit den Verträgen von Kommunen und Wau-Mau-Insel verpflichte sich das Tierheim, das aufgenommene Tier solange in Obhut zu nehmen, bis sich ein geeigneter Besitzer findet. Plücker: „Offiziell gilt das Tier nach 30 Tagen als herrenlos und kann vermittelt werden.“ Tatsächlich vergingen bis zur Vermittlung oft Monate, die laufenden Kosten blieben und der Platz für neue Tiere fehle, sagt der Tierheimleiter.

Plücker merkt an, dass nicht ausreichend kenntlich gemacht ist, welcher Einrichtung ein Fundtier zugeordnet ist. Es fehle an Informationen im Internet oder an Hotlines, die die Finder über die nächste Tierschutzeinrichtung aufklären. So komme es immer wieder vor, dass jemand mit einem Fundtier vor der Tür des Heimes stehe, weil er nicht wisse, wohin damit. „Dann müssen wir erst einmal klären, ob eine Vereinbarung mit der Fundort-Kommune besteht, sonst bleiben wir auf den Kosten sitzen.“

Häufig komme es auch vor, dass Tiere direkt vor die Tür gestellt werden - im schlimmsten Fall ohne Informationen zum Fundort des Tieres. Dann bleibe Plücker keine Wahl: „Wir lassen das Tier ja nicht vor der Tür stehen.“

Entgegenwirken könnte man den geschilderten Problemen auch, wenn es mehr Tierschutzeinrichtungen in den Kommunen gäbe. Dazu müssten die Kommunen allerdings tiefer in die Tasche greifen: „Eine Tierschutzeinrichtung ist an zahlreiche Auflagen gebunden, die mit Kosten verbunden sind.“

Von Anna Lischper

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