Tilo Prückner: Ein Star zum Anfassen in Vellmar

Austausch am Rande der Lesung: Mit der Buchhändlerin Katharina Engelhardt, die sich im Vellmarer Literaturverein engagiert, sprach Tilo Prückner über aktuelle Literatur. Fotos: Wienecke

Vellmar / Berlin. „Wir mussten noch nie so viele Stühle schleppen", sagt Hans-Jürgen Breidenstein vom Literaturverein „Ecke und Kreis" bei der Begrüßung der 140 Gäste im Kirchenzentrum in Vellmar-Mitte. Es sei ihm eine große Freude, mit Tilo Prückner auf einen Schauspieler zu treffen, dessen Filmografie sich über Seiten erstrecke. Gleichzeitig sei er gespannt auf dessen Debütroman.

„Willi Merkatz wird verlassen“ heißt der Roman von Tilo Prückner (74) aus Berlin. Dass er 2013 im „Verbrecher Verlag“ erschienen ist, findet der bekannte Schauspieler (Adelheid und ihre Mörder, Tatort) besonders passend. „Sie sehen, das Buch ist giftgrün“, sagt er, während er die Lesebrille aufsetzt. „Vielleicht liegt das am Inhalt“, scherzt er zur Freude des Publikums.

Zum Inhalt: 60 Jahre ist Willi Merkatz alt, als unter der Dusche heftiges Schluchzen aus ihm herausbricht und ihn das Gefühl von Einsamkeit übermannt. Der Arzt wurde nach 39 Jahren von seiner Ehefrau Katharina verlassen, die sich im Urlaub in einen flotten Inder verliebt hat. Diesen bringt sie auch noch mit nach Deutschland. In der gemeinsamen Wohnung soll er als Arzt praktizieren.

Herrlich sind die Stellen im Buch, in denen sich der Autor ins Geschehen einmischt. Tilo Prückner geht sogar noch einen Schritt weiter, denn sein Protagonist antwortet ihm sogar. Damit das Publikum auch weiß, wer gerade dran ist, tippt sich der Autor Prückner jeweils auf die Brust.

„Ziehe ich gerade eine Grimasse, oder sehe ich inzwischen wirklich so aus“, fragt sich der verlassene Willi Merkatz, als er sich über sein Spiegelbild erschreckt. Dort macht er auch Dehnübungen, um den Rivalen später zu verprügeln, was diesem jedoch erspart bleibt, da Merkatz ihm an falscher Stelle auflauert. Sehr lustig wird es bei der gemeinsamen Mediation. Merkatz kriegt seinen Sexualneid einfach nicht in den Griff.

„Ein Buch, das uns die Männer ein bisschen näherbringt“, bedankt sich die Buchhändlerin Katharina Engelhardt, die beim Vellmarer Literaturverein für das Programm verantwortlich ist. Begeisterten Applaus gab es für den sympathischen Schauspieler, der sich herrlich selbst auf die Schippe nimmt und später noch Fragen beantwortete und Bücher signierte. Einiges von dieser skurrilen Geschichte habe er selbst erlebt, verrät er. Als Dankeschön gab es ein Buch von Henning Beck, dessen Lesung am Donnerstag, 15. Januar 2015, um 19.30 Uhr im evangelischen Kirchenzentrum in Vellmar-Mitte stattfinden wird.

Nächster Termin: Jan-Philipp Sendker kommt am Montag, 24., bis Dienstag, 25. November, von 12 bis 12 Uhr ins Büchereck am Rathaus mit Lesung am Montag ab 19.30 Uhr, Eintritt im Vorverkauf 5 Euro zugunsten eines Hilfsprojektes.

Von Bettina Wienecke

Als Reporter an der Werra unterwegs

Hautrollen in "Der Willi-Busch-Report" und "Deutschfieber"

Der Schauspieler Tilo Prückner (Jahrgang 1940) lebt in Berlin. Er stand auf vielen Theaterbühnen, spielte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen überwiegend eigenwillige Charaktere. In Nordhessen ist er vornehmlich als Wilhelm Busch bekannt aus den Filmen „Der Willi-Busch-Report“ (1979) und in dem 1992 gedrehten zweiten Teil „Deutschfieber“, ebenfalls von Regisseur Niklaus Schilling. Beide Streifen spielen im Werratal an der innerdeutschen Grenze, im fiktiven Ort Friedheim, alias Wanfried.

Im Willi-Busch-Report versucht Tilo Prückner als Hauptfigur inmitten des Kalten Krieges die vom Vater geerbte Zeitung „Werra-Post“ zu retten. Da aber vor dem Grenzstreifen zur DDR nichts los ist, inszeniert Reporter Willi Busch die Sensationen selber, um über diese in seiner Zeitung zu berichten. Als wirkliche Morde geschehen, ist plötzlich mehr los, als den Leuten lieb ist, Friedheim gerät in die Schlagzeilen der Weltpresse und Willi Busch in arge Schwierigkeiten.

In „Deutschfieber“ (Produktionstitel „Willi Zwo“) geht es um die Tage der Grenzöffnung. Die „Werra-Post“ existiert nicht mehr und Willi Busch, der von den Ereignissen mitgerissen wird, will eigentlich lieber seine Ruhe haben. Er startet dann aber einen Streifzug in die für ihn exotische DDR. 1000 Statisten aus dem Raum Wanfried und Eschwege, Mühlhausen und Treffurt sorgten beim Dreh drei Jahre nach der Grenzöffnung für die Authentizität der revolutionären Ereignisse. (pbw/mic)

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