Toter Waschbär nichts für Tonne

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Besuch vom Waschbären: Finden Eigentümer einen toten Waschbären auf ihrem Grund und Boden, so sind sie für dessen Entsorgung selbst zuständig. Hilfe gibt’s beim Veterinäramt in Wolfhagen.

Kreis Kassel. Die Virus-Erkrankung Staupe ist im Landkreis Kassel weiter auf dem Vormarsch. Was für den Menschen völlig ungefährlich ist, verläuft für Waschbären meist tödlich, wie die große Anzahl der in der Region tot aufgefundenen Tiere belegt.

Was ist zu tun, wenn ein Tier auf privatem Grund und Boden verendet? Mit dieser Problematik beschäftigt sich Kreispressesprecher Harald Kühlborn seit einiger Zeit. „Da Staupe keine anzeigepflichtige Tierseuche ist, haben wir zwar keine genauen statistischen Daten, die Zahl der Bürger, die sich mit Fragen zu erkrankten Tieren an uns wenden, nimmt allerdings ständig zu“, sagt Kühlborn.

Und: „Wird ein totes Tier auf einem Privatgrundstück gefunden, muss sich der Eigentümer um die Beseitigung des Kadavers kümmern. Eventuelle Kosten dafür kommen auf den Grundstückseigentümer zu“, sagt der Kreissprecher. Wie teuer eine solche Entsorgung ist, hänge vom Wohnort ab. „Die Art der Entsorgung und die Höhe der Kosten legt die jeweilige Gemeinde fest“, sagt Kühlborn.

Gemeinde vermittelt

In Ahnatal übernimmt die Gemeinde die Entsorgung nicht selbst, sondern bietet ihren Bewohnern einen Vermittlungsservice. „Wir sind das Bindeglied und kümmern uns um die fachgerechte Entsorgung“, sagt Michael Sewe, Leiter des Ordnungsamts.

Verendete Tiere in der Mülltonne zu entsorgen, ist nicht erlaubt. Und: „Auch das Vergraben im Wald ist in Krankheitsfällen nicht der richtige Entsorgungsweg“, betont Kühlborn. Dieser sei in Rücksprache mit der Gemeinde die Tierkörperbeseitigungsanlage Rievenich. Das Abholen eines einzelnen Tieres koste etwa 25 Euro plus Mehrwertsteuer.

Der Besitzer des Grundstücks beziehungsweise die zuständige Person nach Jagdrecht können nach Rücksprache mit dem Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises in Wolfhagen verendete Tiere untersuchen lassen, wenn der Verdacht auf Staupe oder andere Krankheiten vorliegt. „Wir kümmern uns dann und sorgen dafür, dass das Tier abgeholt wird“, sagt der Sachbearbeiter für Tiergesundheit Detlef Michel vom zuständigen Fachbereich. Die Untersuchung im Landeslabor sei aber kein Entsorgungsweg, betont Michel.

Ansprechpartner beim Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises ist Detlef Michel, Telefon 0 56 92/ 9 87 33 10.

Von Martina Sommerlade und Michael Schräer

Hintergrund: Staupe ist eine ansteckende Viruserkrankung

Bei der Staupe handelt es sich um eine durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) hervorgerufene, hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen Fleischfressern wie Fuchs, Wolf, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund.

Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine Symptome. Für Menschen ist die Staupe völlig ungefährlich. Das Staupevirus ist eng verwandt mit dem Masernvirus. Es wird durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen.

Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken und Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf.

Wildtiere, insbesondere Waschbären, leben immer häufiger in der Nähe von menschlichen Siedlungen. So können sich nicht impfgeschützte Hunde nicht nur durch andere Hunde, sondern auch durch Wildtiere in ihrer näheren Umgebung oder auch beim Waldspaziergang infizieren. (zms)

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