In Prozess um versuchten Totschlag wurden weitere Zeugen gehört – Widersprüchliche Angaben

Totschlagsprozess: Laut Arzt war Messerstich gefährlich

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Lohfelden/Kassel. „Dreierlei Sülze“ stand auf der Speisekarte der Kasseler Gerichtskantine. Ein Stockwerk höher, im großen Sitzungssaal des Landgerichts, wurden auch Variationen angeboten – teilweise von ein und demselben Zeugen.

Es geht um Messerstiche in Lohfelden im Februar 2012. Ein 30-jähriger Mann ist des versuchten Totschlags angeklagt. Er sagt, er habe nicht zugestochen.

Doch der junge Mann, der die Verletzungen abbekommen hat, hat ihn belastet. Und das taten am Montag auch ein Lohfeldener, in dessen Wohnung sich die Tat laut Anklage abgespielt haben soll, und ein Zeuge aus Dresden. Er soll damals dort übernachtet haben - genau wie der Geschädigte und wie vielleicht auch der 30-Jährige.

Der Lohfeldener und der Dresdener widersprachen sich in etlichen Details. Zudem erzählten beide dem Gericht andere Versionen, als die Polizei nach ihren Vernehmungen protokolliert hatte. Der Wohnungsinhaber etwa beteuerte, er habe kein Messer gesehen. Im Polizeiprotokoll steht das Gegenteil. Erst als Richter und Staatsanwalt mit einem Verfahren wegen Falschaussage winkten, schwenkte der Zeuge um. „Die Klinge war schwarz“, beschrieb er nun.

Zum Variantenreichtum kamen Sprachschwierigkeiten hinzu. „Ich nicht vergessen“, sagte etwa der Dresdener immer wieder. Aber so wie er das in seine Sätze einbaute, klang es manchmal eher, als erinnere er sich nicht. Ein Dolmetscher war da. Doch niemand bestand darauf, dass die Männer seine Dienste kontinuierlich nutzen.

Ein anderer Zeuge leistete selbst Übersetzungsarbeit – zu medizinischem Fachvokabular. Er ist Arzt und leitet die Intensivstation, auf der der Geschädigte kurz gelegen hatte. Der junge Mann hatte dem Gericht eine Narbe am Arm und drei am Oberkörper gezeigt. Im Bericht der Intensivstation ist allerdings nur von zwei Stichen die Rede: Einem in den Arm und einem zwischen zwei obereren Rippen hindurch. Letzterer habe den Geschädigten an einer „gefährlichen Ecke“ getroffen, sagte der Arzt. In einem anderen Winkel geführt, hätte der Stich wichtige Blutgefäße verletzen können. Der junge Mann habe „großes Glück“ gehabt.

Der Angeklagte hatte den Lohfeldener mit den Stichen in Verbindung gebracht und vermutet, der Geschädigte wolle diesen schützen, weil er bei ihm Drogenschulden habe. Ein als Zeuge vernommener Polizist erklärte am Montag, die „ganze Klientel“ sei bereits einschlägig mit Drogen in Erscheinung getreten.

Der Prozess wird vorgesetzt.

Von Katja Schmidt

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