Tourismus wird als Wirtschaftsfaktor unterschätzt

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Eine märchenhafte Kulisse: Im Garten des Dornröschenschlosses Sababurg trafen chinesische Reiseveranstalter auf Märchen- und Sagenfiguren aus der Region. Hausherr Günther Koseck (Vierter von rechts) berichtete über die Geschichte des ehemaligen Jagdschlosses.

Kreis Kassel. Ginge es nach dem Kasseler Landrat Uwe Schmidt, würde der Verein Deutsche Märchenstraße bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft angesiedelt.

Gerade im nördlichen Zipfel Hessens wird immer wieder auf die Bedeutung des Fremdenverkehrs hingewiesen. Der Tourismus als Wachstumsmarkt. Das Märchenland mit den Brüdern Grimm als Magnet, Urlauber in die Region zu locken. Fremdenverkehr als wichtiger Wirtschaftsfaktor vor allem für den Landkreis Kassel. Da widerspricht keiner.

Geht es jedoch darum, Geld lockerzumachen, um dem Tourismus notwendige Finanzen beispielsweise für das Marketing an die Hand zu geben, sieht es ganz anders aus. Davon wissen auch die Mitglieder der Deutschen Märchenstraße mit Sitz in Kassel ein Lied zu singen.

Erst jüngst wurde dies bei einer Versammlung deutlich. Da nämlich erklärte Geschäftsführer Benjamin Schäfer, dass man sich mittlerweile nur auf die Märkte in China, Großbritannien und den Niederlanden konzentrieren könne. Der Grund: In Kassel sind lediglich drei hauptamtliche Kräfte beschäftigt, sodass enge Grenzen gezogen werden müssen.

Dies ist gerade für Nordhessen von Nachteil. Denn hier zieht es vor allem Touristen aus den USA, der Schweiz, den Niederlanden und Japan hin. Und diese Gäste, so verlautete bei der Mitgliederversammlung, sollen nur noch in besonderen Fällen begleitet werden.

Das Dilemma ist auch dem Vorsitzenden des Vereins Deutsche Märchenstraße, Kassels Landrat Uwe Schmidt, bekannt. 60 Prozent des Jahresetats für die Deutsche Märchenstraße (etwa 220.000 Euro) trügen die Stadt und der Landkreis Kassel, sagt er. Damit würden die Personalkosten gestemmt. Mehr sei einfach nicht drin.

Und auch die anderen Mitglieder könnten nicht stärker zur Kasse gebeten werden. Die Kommunen und Landkreise zahlen je nach Größe pro Jahr zwischen 500 Euro (bis 5000 Einwohner) und 5000 Euro (ab 200.000 Einwohner).

Uwe Schmidt

Ein Problem ist nach Ansicht Schmidts, dass die Förderung des Tourismus eine freiwillige Aufgabe sei. Landkreis und Stadt stünden unter dem Schutzschirm des Landes. Das bedeute, gerade bei freiwilligen Leistungen werde sehr genau hingeschaut, und kein Euro dürfe zu viel fließen. Anderen Kommunen ergehe es ähnlich, und man sei froh, dass überhaupt Mitgliedsbeiträge eingingen.

Unstrittig ist für Schmidt, dass im Fremdenverkehr nach wie vor ein großes Potenzial für Nordhessen steckt. Von daher gibt sich der Landrat „vorsichtig optimistisch“, dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor weiter an Bedeutung gewinnt.

Schmidt schlägt vor, die Deutsche Märchenstraße bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft anzusiedeln. Das, so gibt sich der Landrat realistisch, werde zwar kaum in den nächsten ein, zwei Jahren geschehen, aber es müsse das Ziel bleiben, um dem Tourismus auch nach außen hin die Bedeutung zukommen zu lassen, die er verdiene.

Und dass die Deutsche Märchenstraße auch weiterhin Touristen aus aller Herren Länder anziehen wird, davon ist der Vorsitzende „felsenfest überzeugt“, wie er sagt.

Von Peter Kilian

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