Gemeinsame Vermarktung der Region

Naturpark-Geschäftsführer  Lenarduzzi im Interview: „Tourist hoffnungslos überfordert“

Geführte Wanderungen: Der Naturpark Meißner - Kaufunger Wald weitet sein Angebot bis vor die Tore Kassels aus. Unser Bild zeigt eine Wandergruppe am Hertha-Altar auf dem Gut Windhausen in Niestetal. Foto: nh

Kreis Kassel. Das Wandern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Vor den Toren Kassels liegt mit dem Naturpark Meißner - Kaufunger Wald ein attraktives Wandergebiet. Über dessen Zukunft und Vermarktung haben wir mit dem Geschäftsführer Marco Lenarduzzi gesprochen.

Herr Lenarduzzi, der Naturpark Meißner - Kaufunger Wald weitet seine Angebote bis an die östliche Stadtgrenze von Kassel aus. Wie kam es dazu? 

Marco Lenarduzzi: Unser Angebot ist stetig gewachsen. Wir haben in den vergangenen Jahren gerade im Bereich Nieste und Kaufungen eine funktionierende Infrastruktur aufgebaut und sind momentan dabei, den Premiumweg 11 bei Niestetal zu erweitern. Die Infrastruktur ist da und es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, attraktive Veranstaltungsangebote im Kasseler Osten zu entwickeln.

Wie kann der Naturpark Meißner - Kaufunger Wald aus Ihrer Sicht besser vermarktet werden? 

Lenarduzzi: Damit der Tourist zu uns kommt, muss er das Angebot hier erst einmal finden. Wenn Sie versuchen, unsere Region im Internet zu finden, dann werden Sie Schwierigkeiten haben, weil sie in viele kleine Teilbereiche zerfällt. Auch aus finanziellen Gründen ist eine sinnvolle Zusammenarbeit über den Tellerrand hinaus wichtig. Man müsste sich über die bestehenden kleinen Strukturen hinwegsetzen.

Was muss konkret geändert werden? 

Lenarduzzi: Sinnvoll wäre es, eine zentrale Plattform mit den Highlights der Region einzurichten und sich von den kleinen einzelnen Tourismusseiten der Kommunen zu trennen. Das wäre für den Gast klarer strukturiert. Zurzeit ist er im Grunde hoffnungslos überfordert. Da sollte man Dinge bündeln und für den Verbraucher vereinfachen. Man verspielt da viele Möglichkeiten. Die Leute, die kommen, sind total begeistert vom Naturpark, aber sie haben vorher Schwierigkeiten, ihn überhaupt zu finden.

Welche Bedeutung hat der Grimmsteig für den Naturpark? 

Lenarduzzi: Der Weg ist für die Region sehr wichtig. Inzwischen ist er so gelegt, dass er wirklich schön ist, und wir werden in den kommenden Jahren gemeinsam mit den Kommunen noch weiter an seiner Qualität arbeiten. Ich hatte bezüglich des Grimmsteigs anfangs sehr große Bedenken, weil ich befürchtet habe, es könnte sich hier wieder um einen typischen politischen Wanderweg handeln, an dem fünf Kommunen beteiligt sind, und dann muss dieser Weg natürlich auch durch diese fünf Kommunen führen ohne Blick auf die Qualität. Der Märchenlandweg ist zum Beispiel so ein Weg, der die Erwartungen nicht erfüllt. Meine Bedenken wurden aufgegriffen, die Kommunen sind sehr rege in der Vermarktung.

Wie wichtig sind die Premiumwege? 

Lenarduzzi: Sie haben eine herausragende Bedeutung. Ihre Qualität ist ein wichtiges Kriterium für unsere Gäste. Man kann im Wandermarkt nur bestehen, wenn man zertifizierte Wege hat. Bis Ende des Jahres wird es 16 Premiumwanderwege im Naturpark geben.

Die Premiumwege sind recht üppig beschildert. Ist das notwendig? 

Lenarduzzi: Die Beschilderung ist ja nicht für die Einheimischen gemacht, sondern für die Touristen. Und die sind in der Regel zum ersten Mal bei uns. Wir versuchen, das in einem bestimmten Rahmen zu halten, aber wenn man Tourismus haben will, dann muss man gewisse Standards erfüllen. Die Wanderwege müssen ohne Karte und GPS zu laufen sein.

Wohin steuert der Naturpark in Zukunft? 

Lenarduzzi: Der Park hat sich in den vergangenen zehn Jahren rasant entwickelt. Die Weichen sind im Grunde gestellt und man muss jetzt die Kräfte bündeln und die Finanzierung sichern. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Von Nicole Schippers

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