Gedenkgottesdienst für früh gestorbene Jungen und Mädchen – Kontaktkreis hilft

Trauer um Traumkinder

Trauer und Gedenken: Martina Hottenroth mit drei Kerzen, die an ihre drei zu früh geborenen Kinder erinnern. Foto: Büntig

Fuldabrück. 50 Papierflügel schmücken die blauen Stoffbahnen. Auch jedem Flügel stehen ein oder mehrere Namen. Jeder Name erinnert an ein Kind, das während der Schwangerschaft, der Geburt oder kurz danach gestorben ist.

Für die Eltern und Angehörigen dieser „Traumkinder“ veranstaltete der gleichnamige Kontaktkreis, der der bundesweiten Initiative Regenbogen angeschlossen ist, gemeinsam mit Pfarrer Dr. Freimuth Schirrmacher und der evangelischen Kirchengemeinde einen konfessionsübergreifenden Gedenkgottesdienst in Fuldabrück. Sehr ergreifend für die Anwesenden war dabei auch der Vortrag eines Gedichts des BuchautorsRalf Korrek (siehe Hintergrund). „Die Kinder sind zu klein, um zu leben, aber groß genug, um alles zu verändern“, sagt Martina Hottenroth. „Sehr häufig kommt es vor, dass Freundeskreise und Partnerschaften entweder wachsen oder aber daran zerbrechen“, fügt sie hinzu.

Für die 50-jährige Fuldabrückerin ist ihr Ehemann die wichtigste Stütze; er steht ihr in der Trauer um drei zu früh geborene Kinder bei. Martina Hottenroth arbeitet im Kontaktkreis mit, der 1997 von Tanja Kahle nach dem Tod deren Sohnes Alexander gegründet wurde.

„Ich möchte nicht, dass es anderen so geht, wie es mir gegangen ist“, sagt sie und berichtet, dass die Kinder früher nicht beerdigt werden durften, da sie unter 500 Gramm wogen. So blieb keine greifbare Erinnerung, kein Platz zum Trauern.

„Der so frühe Verlust eines Kindes wird in der Gesellschaft oft nicht akzeptiert“, sagt Martina Hottenroth, „der Stellenwert eines Ungeborenen ist denkbar gering“. Sie fordert, dass jeder Mensch ein Recht zur individuellen Trauer hat und es vollkommen egal ist, wie klein das Kind war oder ob es überhaupt außerhalb des Mutterleibs gelebt hat. Unterstützt durch ihren Ehemann und die erwachsenen Kinder hat sie in der Gruppe „Traumkinder“ einen Ort gefunden, an dem sie gemeinsam mit Betroffenen lachen, weinen und trauern kann. Denn der Schmerz vergeht auch nach vielen Jahren nicht.

Im jährlichen Gedenkgottesdienst sind junge Familien mit kleinen Kindern ebenso vertreten wie ältere Ehepaare. Liebevoll verzierte Kerzen mit den Namen der Kinder werden angezündet und symbolisieren das Licht, das als Erinnerung immer für die früh Verstorbenen scheinen wird.

Sammelbestattung

Manches habe sich inzwischen positiv verändert: So werden tote Babys, die weniger als 500 Gramm wiegen, mehrmals jährlich auf dem Kasseler Hauptfriedhof in Sammelbestattungen beigesetzt. Es bleibt aber noch viel zu tun. GEDICHT

Information: Kontaktkreis (der auch Folgeschwangerschaften betreut), Martina Hottenroth, Tel. 05 61/47 28 78; Tanja Kahle, Tel. 05 61/9 58 21 12.

Von Sabine Büntig

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