Vor 40 Jahren gaben Weimar und Heckershausen Selbstständigkeit auf und wurden zur Gemeinde Ahnatal

Weimar und Heckershausen wurden Ahnatal: Trauerflor hing am Ortsschild

Klare Botschaft: Das Ortsschild von Heckershausen bekam zum Geburtstag der neuen Großgemeinde einen Trauerflor. Fotos: Breiter

Ahnatal. Wohl keine andere Entscheidung der Kommunalpolitiker aus Heckershausen und Weimar war bei den Einwohnern so unpopulär wie der Beschluss im März 1972 zum Zusammenschluss der beiden Gemeinden.

Acht Vertreter der SPD-Fraktion und drei Politiker der Freien Wählergemeinschaft stimmten bei zwei Neinstimmen im Weimarer Gemeindeparlament damals für den Zusammenschluss, wollten aber den Namen „Weimar“ behalten.

Dies löste einen Zwist mit der Nachbargemeinde aus. Nach den langen Diskussionen um einen Zusammenschluss forderte man in Heckershausen zumindest einen neutralen Namen. Spontan fuhren die Heckershäuser nach Wiesbaden und erwirkten, dass die neue Großgemeinde „Ahnatal“ heißen sollte.

Am 28. Juli fand die letzte Sitzung der Weimarer Gemeindevertretung statt, drei Tage zuvor hatten die Heckershäuser Gemeindevertreter letztmalig getagt. Am 1. August wurden beide Gemeindeparlamente aufgelöst.

Für beide Ortsteile war es eine ungewollte Zwangsehe. In Weimar hatte man mit einer Großgemeinde mit Fürstenwald oder Dörnberg geliebäugelt, in Heckershausen wollte man sich Vellmar anschließen. Doch es sollte anders kommen. Da im Oktober 1972 Kommunalwahlen stattfanden, übernahm eine kommissarische Gemeindevertretung unter der Leitung von Georg Siebenberg die Amtshandlungen der neuen Gemeinde. Der Zusammenschluss stieß bei vielen auf Unverständnis, schließlich lagen die Nachteile auf der Hand: höhere Kosten in der Verwaltung, fehlende Eigenständigkeit und der durch die Gebietsreform aufgelegte Zwang, kooperieren zu müssen.

Hinzu kam die generationenübergreifende Rivalität der Bürger aus den unterschiedlichen Ortsteilen. Entsprechend harsch ging es im Jahr vor dem Zusammenschluss in den Gemeindeparlamenten zu.

Weimarer Gemeindevertreter warfen den Heckershäusern fehlendes Interesse an ernsthaften Gesprächen über einen Zusammenschluss vor und Dr. Horst Räuchle, Vertreter der FWG, kritisierte in der Neujahrssitzung 1971 den Bau des Heckershäuser Gemeindezentrums als „kommunale Fehlleistung ersten Ranges“. Der Heckershäuser Bürgermeister Georg Siebenberg konterte, dass ein Zusammenschluss keinen Vorteil für die Bevölkerung bringen würde.

Ein Jahr später mussten die Kommunalpolitiker plötzlich harmonieren. „Im Interesse der Bürger haben wir uns zusammengerauft“, erinnert sich der ehemalige SPD-Gemeindevertreter Manfred Schröder an die Ahnataler Parlamentsarbeit. Mancher Einwohner war dennoch wenig begeistert. Am 1. August, dem Geburtstag der neuen Großgemeinde Ahnatal, wehte schwarzer Trauerflor am Heckershäuser Ortsschild.

Von Tobias Kisling

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