Clownfrau Sophia Altklug kam zum zehnjährigen Bestehen der Hospizarbeit Ahnatal

Treffer ganz tief ins Herz

Trauerbewältigung: Clownin Sophia Altklug im Gespräch mit ihrer toten Mutter - im Hintergrund ein Kindheitsfoto der Verstorbenen. Fotos: Binienda-Beer

Ahnatal. Trauer ist keine Krankheit, aber nicht gelebte Trauer macht krank. Schon der Prolog zur Aufführung macht in seiner Schlichtheit und Wahrhaftigkeit Eindruck im Publikum. Das sich anschließende clowneske Theaterstück über Trauer und Trost, Abschied nehmen und Verlust, Loslassen und Einlassen leistet Hilfe zur Selbsthilfe im Chaos der Gefühle, das regiert, wenn ein geliebter Mensch für immer gegangen ist.

Die Ökumenische Hospizarbeit Ahnatal hatte aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens die Clownfrau Sophia Altklug zum Auftritt in der evangelischen Kirche von Weimar eingeladen. Eine sowohl melancholische als auch humorvolle Veranstaltung, die in ihrer Offenherzigkeit die zahlreichen Besucher tief berührte und deren persönliche Erfahrungen an die Oberfläche spülte.

Das selbst geschriebene Programm „Die Spieluhr oder Wenn die Clownin Trauer trägt“ half der einstigen Zahnärztin Dr. Kristin Kunze (Engelskirchen) den Tod der eigenen Mutter zu bewältigen. Und so tritt die Kunstfigur Sophia Altklug auf einem Dachboden voller Erinnerungsstücke ein in einen Dialog mit der Verstorbenen, lässt dabei das Publikum teilhaben am Auf und Ab ihrer Empfindungen während eines langen Aufenthalts im Trauerland. Das Kinderfoto der Mutter, deren altes Akkordeon, ein in die Jahre gekommener Wackel-Dackel und schließlich die Spieluhr aus eigenen Kindheitstagen - all die damit verbundenen Erinnerungen überschwemmen die Clownin mit zunächst schier unendlich erscheinender Trauer. „Ein Meer von Tränen, wo kommt denn bloß all das viele Wasser her?“, fragt sich Sophia.

Noch während sich unter den Zuschauern mancher verstohlen über die Wange wischt, kehrt das Lachen zurück. Die Clownin gewinnt, indem sie sich ihrer Trauer und auch aufkommender Wut stellt, ganz zaghaft wieder Oberwasser. Sie taucht auf aus tiefem Grau, lernt nach und nach wieder, die Farben und das Leben von seiner freudigen Seite zu sehen.

Im Trauerland hat sie - eingebauter Bezug zu Ahnatal - erfahren: Ich bin nicht allein, Hospizmitarbeiterinnen und Trauercafé sind da, zum Reden, zum Schweigen, zum Weinen und Trösten. Aus Schwäche kann Stärke erwachsen, lässt die Trauerclownin die Zuschauer spüren. Das Clowneske am Leben ist ihre Botschaft: Wer etwas verliert, kann doch am Ende reicher dastehen als zuvor.

Sophia Altklug trifft tief ins Herz. Hinter ihr verbirgt sich mit Dr. Kristin Kunze eine ehemalige Zahnärztin, die im Alter von 53 Jahren ihre gut gehende Praxis schloss, um als Clownfrau in ein beruflich neues und erfüllenderes Leben zu wechseln. ARTIKEL LINKS, HINTERGRUND

Von Dorina Binienda-Beer

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