Herta Buhrke feiert heute ihren 104. Geburtstag im Awo-Altenzentrum Goldacker

Treppensteigen hält sie fit

Herta Buhrke ist ihr bestes Stück: Gisela Pluquett (links) und Ilona Neue (rechts) gehören heute zu den Gratulanten der Seniorin.

Baunatal. Herta Buhrke empfängt ihren Gast mit einem strahlenden Lächeln und einem Händedruck, der viel fester ist, als ihre zierliche Gestalt erwarten lässt. Der Sessel in ihrem hellen Zimmer im Seniorenheim Goldacker der Arbeiterwohlfahrt (Awo) bleibt unbeachtet. Die alte Dame sitzt lieber auf dem Stuhl. „Da habe ich festen Halt, das ist besser für den Rücken“, sagt sie.

Kaum zu glauben, dass die rüstige Seniorin heute ihren 104. Geburtstag feiert und eine Menge Gäste empfängt. Die Willenskraft und Lebensfreude die sie ausstrahlt, überraschen angesichts des nicht immer einfachen Lebens, auf das die Baunatalerin zurückblickt.

1907, als der spätere Außenminister und 1928 bei einem Attentat getötete Gustav Stresemann in den Reichstag einzog, wurde Herta Buhrke in einem kleinen Ort in Hinterpommern als zweitältestes von elf Geschwistern geboren. Ihre Geburt sei kompliziert gewesen, erzählt sie. Sie habe von klein auf an Konzentrationsschwäche und leichter Schüttellähmung gelitten.

Bei Eiseskälte geflohen

1936 heiratete sie den Obermaschinisten Johannes Buhrke. 1943 floh das Paar bei Eiseskälte auf einem offenen Eisenbahnwaggon vor der Roten Armee 700 Kilometer weit von Pommern nach Bayern. Nach einer Zwischenstation in Hofgeismar ließ sich das kinderlose Paar in Altenbauna nieder. Sie sei ihrem Mann nicht immer eine ganz einfache Ehefrau gewesen, „aber das Mittagessen hat immer rechtzeitig auf dem Tisch gestanden“, erzählt die Seniorin.

Johannes Buhrke ist schon vor 20 Jahren gestorben. Ehefrau Herta lebte bis vor drei Jahren allein in ihrer Wohnung, nur unterstützt von einer Haushälterin. Die Geschwister sind auch nicht mehr da. Doch Einsamkeit musste sie nie fürchten. Die Rentnerin ist ein geselliger Typ. Sie habe Kindern das Schwimmen beigebracht und im Singkreis gesungen, erzählt sie. Auch im Pflegeheim zieht sie es dahin, wo was los ist, unterwegs mit Stock oder Rollator. „Den Aufzug mag ich nicht. Treppensteigen ist für mich wie Gymnastik“, sagt Herta Buhrke. Sie freut sich schon auf den nächsten Seniorentag am Sensenstein.

Mit ihrer Rüstigkeit sei Buhrke eine absolute Ausnahme, meint Gisela Pluquett, die Leiterin des Altenheims. Im Gegensatz zu früher meldeten sich heute Senioren meistens erst dann im Pflegeheim an, wenn es aus gesundheitlichen Gründen absolut nicht mehr gehe. Der Altersschnitt wachse, die Aufenthalte würden kürzer, weil viele wegen massiver Gebrechlichkeit keine lange Lebensspanne im Heim mehr hätten. Vor allem die zunehmenden demenziellen Erkrankungen stellten die Altenpflege vor Herausforderungen, sagt Pluquetts Stellvertreterin Ilona Neue.

Zwei 96-Jährige

Auf die nächste 100-jährige Geburtstagsfeier müssen die Bewohner des Goldacker noch eine Weile warten. Nach Buhrke sind zwei 96-Jährige die Ältesten im Awo-Haus.

HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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