Aktuell 65 Mitglieder

Der neue Vorstand der Linken im Interview über die Lage der Partei im Landkreis Kassel

Neuer Vorstand: Pressereferentin Christine Hoffmann (55) und Vorstandssprecher Torsten Felstehausen (45) stellten sich den Fragen der HNA. Foto: Schindler

Kreis Kassel. Der Linken-Kreisverband Kassel-Land hat eine neue Führungsspitze. Wir sprachen mit dem neuen Vorstandssprecher Torsten Felstehausen und Pressereferentin Christine Hoffmann über die Hintergründe und die Ziele für die Kommunalwahl.

Der Linken-Kreisverband Kassel-Land hat seit Oktober einen neuen Vorstand. Warum hat der alte Vorstand das Handtuch geworfen?

Torsten Felstehausen: Der alte Vorstand hat nicht das Handtuch geworfen, sondern es war ein Zusammentreffen von sehr verschiedenen persönlichen Gründen, die zum Rückzug führten. Die Partei musste also neue Köpfe suchen. Und es ist ja oftmals gar nicht schlecht, wenn es einen Wechsel gibt.

So kurz vor der Kommunalwahl am 27. März 2011 ein sehr ungewöhnlicher Schritt ...

Felstehausen: Der Wahltermin spielte dabei keine Rolle. Es ging um persönliche Gründe und um berufliche Veränderungen.

Haben sich die Flügelkämpfe, die den Kreisverband in den vergangenen Jahren heftig erschüttert haben, hier wieder Bahn gebrochen?

Felstehausen: Das hat nach meiner Meinung keine Rolle gespielt. Dieses Kapitel war schon lange vor der Vorstandswahl abgeschlossen. Ich habe den Eindruck, dass seit 2009 eine Konsolidierung stattgefunden hat und die Zusammenarbeit der Mitglieder deutlich besser geworden ist.

Man hört, dass viele Mitglieder den Linken im Landkreis den Rücken gekehrt haben...

Christine Hoffmann: Das kann ich nicht bestätigen. Nach meinem Kenntnisstand ist die Mitgliederzahl gleich geblieben.

Felstehausen: Nach der Vereinigung von PDS und WSAG gab es bundesweit viele Doppelmitgliedschaften. Mitte 2009 wurden diese Zahlen bereinigt.

Wie viele Mitglieder haben Sie aktuell?

Felstehausen: Im Moment hat der Kreisverband Kassel-Land 65 Mitglieder.

Für einen Landkreis mit 240 000 Einwohnern und einer Ausdehnung von 80 Kilometern in Nord-Süd-Richtung ist das nicht gerade viel.

Hoffmann: Es ist zumindest eine Herausforderung. Und es ist ja auch ein Ziel des Vorstandes, Mitglieder zu gewinnen. Im Übrigen ist das ein Problem aller Parteien. Hinzu kommt bei den Linken, dass man schon Rückgrat haben muss, um nach außen als Parteimitglied aufzutreten. Die Linke wird häufig stigmatisiert, oder die Mitglieder befürchten das zumindest.

Felstehausen: Wir haben bei der Bundestagswahl im Landkreis zehn Prozent erhalten, das schlägt sich noch nicht in der Zahl der Mitglieder nieder.

Aber unsere Mitglieder sind zu einem hohen Maß aktiv. Und es gibt viele Menschen, die nicht Mitglied der Partei sind und trotzdem bei uns kandidieren. Das geschieht nicht aus einer Not heraus, sondern aus Überzeugung.

Wie viele Kandidaten auf der Kreistagsliste sind Parteimitglieder?

Felstehausen: Von den 30 Kandidaten sind etwa zwei Drittel Mitglieder der Linken.

In wie viel Kommunen stellen Sie sich der Wahl?

Felstehausen: Die Linken treten in vier Kommunen an, in Hofgeismar, Naumburg, Schauenburg und in Fuldabrück.

Treten Sie auch in Kaufungen als Linke an? Dort gibt es ja die Grün-Linke-Liste Kaufungen  (GLLK).  Die Grünen stellen sich aber erstmals mit einer eigenen Liste der Wahl.

Felstehausen: Die GLLK kandidiert wie bisher ganz eigenständig, als Linke treten wir nicht an. Wir wollen keine weitere Zersplitterung in Kaufungen.

Was wäre für Sie ein gutes Wahlergebnis?

Felstehausen: Zweistellig wäre traumhaft, aber kreisweit sieben Prozent wäre ein gutes Ergebnis.

Was sind Ihre Hauptziele im Landkreis Kassel?

Hoffmann: Wir treten für eine Rekommunalisierung ein, das heißt, statt weiter zu privatisieren sollen die Kommunen ihre Aufgaben selbst wahrnehmen. Beispiele sind die Müllabfuhr und die Wasserversorgung. Der öffentliche Nahverkehr muss bezahlbarer werden, unter anderem durch ein Sozialticket.

Felstehausen: Die Kreisschulen werden in öffentlich-privater Partnerschaft saniert, weil dem Kreis das Geld fehlt. Damit bindet sich der Kreis aber über Jahrzehnte an Private. Langfristig ist das ein Verlustgeschäft. In puncto Tourismus sind wir gegen Großprojekte wie Beberbeck, wir sehen die Zukunft in der dezentralen Förderung der Dorfentwicklung mit dem Ziel, den örtlichen Tourismus zu stärken.

Zu den Personen

Zu den Personen Torsten Felstehausen (45) ist einer von zwei Vorstandssprechern der Linken im Landkreis Kassel. Felstehausen ist Diplom-Sozialpädagoge und lebt in Kaufungen. Christine Hoffmann (55) ist Pressereferentin des Linken-Kreisverbands Kassel. Die Krankenschwester lebt in Altendorf bei Naumburg.

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