Nachbarschaftsstreit: 62-Jähriger aus Niestetal will Freispruch – Staatsanwaltschaft fordert höhere Haftstrafe

Tritt in Po: Prozess geht weiter

Niestetal / Kassel. Entgleist ist dieser Nachbarschaftszwist in jedem Fall. Doch wie das aussieht - darüber lieferten ein 45-Jähriger Niestetaler und seine 62-Jährige Nachbarin dem Kasseler Landgericht gestern sehr unterschiedliche Versionen.

Der Mann war im Oktober vom Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt worden.

Im Berufungsprozess kämpft der 45-Jährige nun um einen Freispruch. Doch auch die Staatsanwaltschaft ist in Berufung gegangen. Sie hält eine Haftstrafe von 13 Monaten für Tat und Schuld angemessen.

Das Amtsgericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der 45-Jährige die ältere Nachbarin im Februar 2011 als „Schlampe“ und Prostituierte beleidigt habe. Aus Ärger, dass sie ihn deswegen anzeigte, habe der Mann sie dann im März in den Hintern getreten. Dabei habe er die 62-Jährige bestrafen und demütigen wollen, es jedoch nicht auf einen Steißbeinbruch abgesehen, den die Frau erlitt.

Zum Berufungsprozess hat das Landgericht nun eine rechtsmedizinische Sachverständige hinzugezogen. Offenbar soll die Ärztin sich zu der Frage äußern, ob die Fraktur von einem Tritt des Angeklagten herrühren kann.

Ausführlich geäußert

Anders als in erster Instanz äußerte sich der Niestetaler diesmal selbst ausführlich zu den Vorwürfen. „Ich habe die Frau weder angefasst noch habe ich sie getreten“, betonte er. Kurze Zeit später berichtete er dann allerdings, er habe die 62-Jährige im Hausflur „nach hinten gestoßen“ - weil diese ihn mit einem Schraubendreher bedroht habe. „Dich mach’ ich fertig“, habe die Frührentnerin gerufen.

In seinen Schilderungen ist die Nachbarin streitsüchtig und verbreitet Unwahrheiten über ihn. Im Februar habe er sie zur Rede gestellt – sie sei gleich „hysterisch“ geworden.

Die 62-Jährige habe aus der Zeitung erfahren, dass er 2008 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde und wolle ihn ins Gefängnis bringen. Die 62-Jährige wiederum beschrieb, der Mann mache ihr seit Jahren das Leben schwer. Sie hatte ihm nicht nur den Tritt und die Beleidigungen vorzuwerfen, die Gegenstand der Anklage sind. Vom Zeugenstuhl aus hielt sie ihm minutenlang Missverhalten vor und betonte, er müsse in seinem Alter lernen, wie man sich gegenüber anderen Menschen beträgt.

Der Prozess vor dem Kasseler Landgericht wird fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

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