Rolf Bläsing las in der Gemeindebibliothek Mönchehof aus seinem neuen Buch „Vollkasko“

Trockener Humor und stille Pointen

Neues Buch: Rolf Bläsing las in der Bücherei. Foto: Binienda-Beer

Espenau. Heiterkeit auf der ganzen Linie. Die Zuhörer schmunzelten, prusteten vor Vergnügen oder bogen sich vor Lachen, als der Felsberger Autor Rolf Bläsing auf Einladung der Gemeindebücherei Espenau am Mittwochabend im evangelischen Gemeindesaal Mönchehof aus seinem erst vor wenigen Wochen erschienenen neuen Roman „Vollkasko“ las.

Während das Publikum streckenweise nicht mehr an sich halten konnte, verzog Bläsing selbst kaum eine Miene. Und steigerte so noch die Wirkung des Vortrags. Mit der trockenen Art, die diesen schreibenden Nordhessen ausmacht, erzählt Bläsing auch seine Geschichten. Die strotzen vor trockenem Humor voller stiller Pointen. Witzige Dialoge, kuriose Szenen - nach dem Erstlingswerk „Der Marathon-Mann“ kommt auch „Vollkasko“ ausgesprochen kurzweilig daher.

Die Geschichte geht so: Arno, Mitte 40 und ein Familienvater wie viele andere auch, reißt das Lenkrad seines Lebens herum, indem er einen radikalen Entschluss fasst. Weg mit dem Ford KA, her mit dem Fahrrad, trotz Haus auf dem flachen Land und Arbeitsplatz in der Stadt. Ein Jahr lang steigt Arno in kein Auto mehr, auch nicht als Beifahrer, nur öffentliche Verkehrsmittel sind okay.

So strampelt sich Arno von nun an bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad durchs Leben oder irrt durch eine zunächst verworrene Welt bis dato unbekannter Buslinien und Haltestellenbezeichnungen über Umwege zu sonst spielend leicht erreichten Zielen. Nichts läuft mehr wirklich rund, auch nicht seine Ehe mit Silke, die sich bald an die Stirn tippt und fortan die Kinder allein zu allen möglichen Terminen kutschieren muss. Der radelnde Arno übernimmt dafür das Einkaufen: Toilettenpapiergroßpackungen, Waschmittel, Mineralwasserkästen und irgendwann sogar ein Schneeschieber, der Schwerlasttransport auf zwei Rädern führt in absurdeste Situationen.

Arno entschleunigt sein bis dato so geordnetes Leben, aber nimmt mächtig an Fahrt auf. Dabei will dieser sympathische Typ in offensichtlicher Midlife-Crisis nur einfach mal das Undenkbare wagen. Und seinen Beitrag leisten zur Rettung des Klimas. Denn das Verschwinden der Jahreszeiten, die durchnässten Sommer und Wärme im November haben seine persönliche Ordnung aus den Angeln gehoben.

Als Rolf Bläsing das Buch zuklappt, brennen seine Zuhörer nur auf die eine Antwort: Trägt „Vollkasko“ autobiografische Züge? Ja, sagt der Autor, dem neuen Roman ging ein Selbstversuch voraus. Aber nur einen Monat lang, zur Schonung der eigenen Ehe.

Von Dorina Binienda-Beer

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