Keine Unfälle in Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel

Trotz Handicap schnell gerettet

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Mit Maschinenkraft geht es leichter: Oliver Gipper (21) transportiert eine schwere Kiste mit Autoteilen mithilfe einer Hebeanlage.

Baunatal. Werkstätten für behinderte Menschen sind mindestens genauso wie Betriebe der freien Wirtschaft vor Arbeitsunfällen und Bränden nicht gefeit.

Das hat zuletzt vor einem Dreivierteljahr die verheerende Gasexplosion eines Ofens mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt bei Titisee in Süddeutschland gezeigt.

Doch in den Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) ist man stolz darauf, das Problem im Griff zu haben. „Wir haben seit vielen Jahren keine gravierenden Unfälle oder Brände gehabt“, sagt Michael Deppe, Sicherheitsfachkraft bei der BDKS.

Zu der guten Bilanz dürfte beigetragen haben, dass die nordhessische Behinderteneinrichtung schon lange vor der Katastrophe bei Titisee viel in die Sicherheit an den Arbeitsplätzen der verschiedenen Standorte investiert hat.

Genaue Zahlen könne man nicht nennen, sagt BDKS-Pressesprecher Thomas Helmstetter. Dazu gehört, dass Deppe seit 2009 hauptamtlich für die Arbeitssicherheit zuständig ist, sein Kollege, der Feuerwehrmann Mark Bornhage, seit 2012 für den Brandschutz.

„Vorher haben wir das nebenbei gemacht, das war bei der Größe der Werkstätten kaum noch zu schaffen“, sagt Deppe. Dieses Jahr hat die BDKS die Fortbildung ihrer 38 Sicherheitsbeauftragten zentralisiert. Außerdem sind im Fachbereich Arbeiten gerade 100 Brandschutzhelfer ausgebildet worden, die in auffälligen, blauen Westen im Ernstfall den Beschäftigten die Fluchtwege zeigen und Feuerlöscher einsetzen.

Potenzielle Gefahren gibt es reichlich: Holzspäne in der Absauganlage der Schreinerei, die sich selbst entzünden können, verölte Putzlappen, die einen Brand auslösen können, brennbare Lacke und Lösemittel.

Schlimme Folgen: Feuerwehrmänner stehen im November 2012 in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg) während der Löscharbeiten vor einer Behindertenwerkstatt. 14 Menschen sind bei dem Brand ums Leben gekommen.

Helge Ahrens, der seit vielen Jahren in einer Montageabteilung in Baunatal Teile für Volkswagen umpackt, hat beim Arbeiten immer die grünen Kästen mit dem Fluchtweg-Hinweis im Blick. „Die Brandmelder sind so laut, das dröhnt richtig in den Ohren“, sagt der 28-Jährige. Jedes Jahr macht er eine Räumungsübung mit. „Alle sind hier für die Gefahr sensibilisiert. Jede Gruppe spricht sich ab, wer die Rollstuhlfahrer hinausschiebt oder Gehbehinderte an die Hand nimmt, wenn es brennt. Das geht ohne Panik ab“, sagt Betreuerin Elisabeth Messer. Mit Gasen, so Deppe mit Blick auf das Unglück bei Titisee, arbeite man in Baunatal überhaupt nicht.

Zur Arbeitssicherheit tragen auch die Hebehilfen in den Werkstätten bei. Sie verhindern nicht nur, dass den Beschäftigten schwere Kisten auf den Fuß fallen. Sie ermöglichen körperlich Gehandicapten auch, überhaupt ihre Arbeit zu erledigen.

Von Peter Dilling

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