Trotz Trockenheit: Ernte 2015 im Kreis bleibt im Durchschnitt

Vertretbare Verluste: Trotz großer Trockenheit im Mai und Juni hat sich in der Region zumindest der Weizen noch zufriedenstellend entwickelt. Unser Symbolbild zeigt einen Mähdrescher bei der Weizenernte. Archivfoto: M. Bein/dpa

Kreis Kassel. „Wider Erwarten hat 2015 noch eine durchschnittliche Ernte gebracht", bilanziert Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Tatsächlich habe die große Trockenheit im Mai und Juni große Probleme bereitet. „Allerdings haben die Niederschläge in den Folgemonaten wieder einiges gutmachen können.“

Erich Schaumburg

So falle die Weizenernte in der Region nur um etwa vier Prozent geringer aus als im vergangenen Jahr. „Das ist immer noch vertretbar.“ Gleiches gelte für die Gerste, wobei es sehr starke regionale Unterschiede gegeben habe. „Je nach Bodenqualität, Höhenlage und Mikroklima gab es schlechte bis gute Ernten“, sagt Schaumburg. Überhaupt nicht zufriedenstellend ist dagegen die Bilanz bei der Sommergerste und beim Hafer. „Beide Feldfrüchte haben 2015 am meisten gelitten“, sagt Schaumburg. Die Trockenperiode sei ausgerechnet in die kurze Vegetationsphase gefallen. Der Regen danach habe nicht mehr viel ausrichten können.

Sorge bereitet den Getreidebauern nach wie vor der Preis für Normalweizen. Nachdem er schon in den Jahren 2013 und 2014 von 20 auf 15 Euro pro Doppelzentner (100 Kilo) abgesackt war, ist er nun erneut um knapp einen Euro auf fast 14 Euro pro Doppelzentner gesunken. „Damit hat sich beim Weizen die Prognose steigender Weltmarktpreise nicht erfüllt“, sagt Schaumburg.

Somit werde die Luft für einzelne Ackerbaubetriebe in der Region immer dünner. Der Getreidepreis müsse mindestens oberhalb der 15-Euro-Marke liegen, um vernünftig leben und arbeiten zu können. „So erleben wir in 2015 eine prekäre Situation: Die Ernte ist in Ordnung, aber die Preise stimmen nicht“, rechnet Schaumburg vor. Einen Ausweg gibt es nicht. Die Ackerbauern sind an die Praxis der Fruchtfolge gebunden. So bleibt kaum Spielraum, um schnell auf Marktentwicklungen zu reagieren. Mit Blick auf die Energiepflanzen ist 2015 weniger gut ausgefallen. Beim Raps gab es wegen der Trockenheit und des verordneten Verzichts auf Pestizide deutliche Einbußen. Ebenfalls schlecht fällt die Maisernte aus - „mit 25 Prozent Verlust“, sagt Schaumburg, was allerdings im Bundesvergleich mit bis zu 50 Prozent Einbußen noch akzeptabel sei.

Gut ausgefallen ist dagegen die Kartoffelernte, wobei dennoch Probleme mit dem Handel zu erwarten sind. Grund: Die Kartoffeln sind häufig zu klein ausgefallen und passen oft nicht ins Größenraster der Handelsketten. „Auch das könnte sich negativ auf den Preis auswirken.“

Gut entwickelt haben sich die Zuckerrüben, wenn auch mit weniger Zuckergehalt. Die Ernte beginnt jetzt.

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