Firma Conpower hat Technik entwickelt, um aus Abwärme mehr Strom zu gewinnen

Turbo für Biogasanlagen

Klein, aber leistungsstark: Das Schaufelrad der Dampfturbine.

Kaufungen. Ein mannshoher, mehr als drei Meter langer Container, angefüllt mit Wärmetauschern, Generator und modernster Regeltechnik, steht in der großen Industriehalle an der Schwarzen Breite in Kaufungen-Papierfabrik.

Ein paar Meter weiter bauen zwei Monteure gerade einen weiteren zusammen: Auf diesen Containern, die in Wahrheit Kraftpakete sind, ruhen die Umsatzhoffnungen des jungen Unternehmens Conpower Technik GmbH, das sich vor eineinhalb Jahren auf einem angemieteten Grundstück des Gewerbegebiets niedergelassen hat. Es handelt sich um eine Anlage, die aus „Abfall“ Strom erzeugen kann.

Der Abfall, das ist die Abwärme, die in Biogasanlagen, energieintensiven Industriebetrieben oder auch in den Blockheizkraftwerken von Wohnsiedlungen ungenutzt verpufft. Es koste die Betreiber sogar noch Geld, die überschüssige Hitze mittels Ventilatoren wegzublasen, sagt Helmut Riebesell, Geschäftsführer des zwölf Mitarbeiter zählenden Start-up-Unternehmens, das seine Wurzeln in Bayern hat (siehe Hintergrund). Eine Biogasanlage oder ein Blockheizkraftwerk, die Gas in einem Verbrennungsmotor in elektrischen Strom verbrennen, hätten einen Wirkungsgrad von um die 40 Prozent. Der Rest der Energie verpuffe als Abwärme. „Das ist eine große Verschwendung“, sagt der Diplom-Ingenieur. Die sogenannte ORC-Niedertemperaturanlage von Conpower nimmt die Abwärme in eine organische Flüssigkeit auf, die anschließend verdampft wird. Der Dampfdruck treibt eine Turbine an. Ein Generator wandelt deren Energie in elektrischen Strom um. Dadurch könne die Stromausbeute deutlich gesteigert werden, erklärt Riebesell. Viele Biogasanlagen seien mit der Anlage problemlos nachrüstbar.

Neuland bei Kleinanlagen

In größeren Kraftwerken wird diese Technik schon länger angewendet. Doch bei der fünfjährigen Entwicklung der kompakten, kleinen Anlage, die an Kraftwerke von deutlich unter einem Megawatt elektrischer Leistung angeschlossen werden kann, habe man Neuland betreten, sagt der Geschäftsführer. Man habe sich Partner gesucht, die Uni Duisburg-Essen und die Firma AKG in Hofgeismar, die den Wärmetauscher entwickelt habe.

Eine Demonstrationsanlage von Conpower ist in Trendelburg bereits in Betrieb. Es gebe viele Kaufinteressenten, berichtet Riebesell. Die warteten nur noch, wie zuverlässig die Anlage im Dauerbetrieb arbeitet. Gern würde seine Firma auch mit dem Kreis ins Geschäft kommen und die Technik in die neue Abfallvergärungsanlage in Lohfelden einbauen.

Strategisch günstig

Conpower habe sich bewusst für den Standort Nordhessen entschieden. „Das liegt strategisch günstig“, sagt Riebesell. Außerdem biete Hessen gute Fördermöglichkeiten. Die Zusammenarbeit mit der Hessen-Agentur sei hervorragend.

Allerdings spüre man den Fachkräftemangel. Es habe ein halbes Jahr gedauert, einen technischen Zeichner zu finden. Man suche auch noch Monteure.

HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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