Hessisches Kutschen- und Wagenmuseum zeigt urigen Stuhl aus dem Büro eines Schmiedes

Über hundert Jahre auf dem Buckel

Viele verschiedene Hölzer: Uraltstuhl mit pfiffigen Reparaturen wie angeschäfteten Beinen. Foto:  Wienecke

Lohfelden. „Das ist bestimmt schon 20 Jahre her“, sagt Horst Fehr, als er im Hessischen Wagen- und Kutschenmuseum in Lohfelden-Crumbach darauf angesprochen wird, wie er eigentlich zu dem skurrilen Stuhl dort kam.

Der Museumsleiter war nach Südniedersachsen gefahren, um historische Schmiedemaschinen für die Sammlung abzuholen. „Diesen alten Stuhl wollen Sie doch sicher nicht. Der kommt dann zum Feuerholz“, sagte der Eigentümer der Sachen.

„So etwas habe ich ja noch nie gesehen“, dachte sich der Museumsleiter und packte den Stuhl, der aus dem Werkstattbüro eines Schmiedemeisters stammte, doch mit ein. Über 100 Jahre dürfte die eigenwillige Konstruktion inzwischen auf dem Buckel haben. Auch der Holzwurm, der darin wütete, ist längst ausgezogen. „Holz war preiswert, Eisen war damals teuer“, weiß Horst Fehr.

„Das hat kein Schreiner gemacht“, meint er mit Blick auf die unzähligen Reparaturen und die vielen verschiedenen Holzarten.

Getreu dem alten Handwerkermotto „passt, wackelt und hat Luft“ halten die Ausbesserungen jedoch bis heute. Besonders pfiffig findet der Museumsleiter, wie die Stuhlbeine repariert wurden. Sie waren verschlissen und wurden kurzerhand angeschäftet, damit sie wieder die richtige Länge bekamen.

Übrigens sieht das Exponat nicht nur ausgesprochen urig aus, man sitzt auch richtig gut darauf.

Hessisches Kutschen- und Wagenmuseum, Friedrich-Ebert-Ring 14, Lohfelden-Crumbach, jeden ersten Sonntag im Monat 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0561/51 68 94, Kontakt und Infos: www.kutschenmuseum.de

Von Bettina Wienecke

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