Über 20 Meter tief

Baunataler Rathaus bekommt neuen Fahrstuhl - ein Schacht wie im Actionfilm

Baunatal. Beim Herantreten an das dunkle Loch wird einem schon etwas mulmig. Eine unsichtbare Hand scheint einem auf die Magengegend zu drücken und so ein Stück zurückzuschieben. Über 20 Meter geht es vom fünften Stock aus in die Tiefe. Dieses Szenario kennt man sonst nur aus einem Actionfilm.

Den Fotoapparat fürs Foto hält man sicherheitshalber mit ausgestreckten Armen ein Stück vor sich, damit die Füße nicht direkt an der Kante stehen.

Haustechniker Jürgen Siegert gewährt einen Einblick in den Schacht, indem seit einigen Wochen ein neuer Fahrstuhl eingebaut wird. 40 Jahre war der alte Lift im Baunataler Rathaus alt, hat viele tausend Menschen in dieser Zeit in die Höhe befördert und wieder nach unten.

Das hält fit: Gerhard Döring von der Poststelle muss derzeit zweimal am Tag die 114 Stufen vom Erdgeschoss in den fünften Stock laufen.

Jetzt wird die Technik ausgetauscht. 85.000 Euro koste die Stadt der Einbau eines neuen Fahrstuhls, erläutert Erste Stadträtin Silke Engler (SPD). Der Umbau sei in die Sommerferien gelegt worden, weil da weniger Besucher ins Rathaus kommen, sagt Engler. Gäste, die gar keine Treppen steigen könnten, bediene man im Erdgeschoss. „Die Bürger können sich an der Information melden.“ Alle Türen zum Schacht sind verschlossen. Die Mitarbeiter der Installationsfirma arbeiteten mit einer Arbeitsbühne, auf der alten Kabine. „Alles muss gesichert sein, damit uns hier keiner abstürzt“, sagt Uwe Zahnwetzer vom Fachbereich Bauen. In der letzten Ferienwoche kommt der TÜV und nimmt die Anlage ab.

„Den Trainingseffekt den spürt man“, sagt indes Gerhrad Döring. 114 Treppenstufen muss der 58-jährige derzeit mindestens zweimal am Tag laufen - vom Erdgeschoss bis in den fünften Stock. Oben angekommen, ist der Mitarbeiter der Poststelle dennoch etwas außer Puste. Aber ihm bleibt ja keine Wahl.

Sieben Haltestellen hat der Aufzug im Rathaus. Alle Türen wurden nach und nach ausgetauscht. Neben die Eingänge kommen noch neue Leuchtanzeigen, die auf die Position des Fahrstuhls und die Fahrtrichtung hinweisen. Die Größe der Kabine bleibe unverändert, erläutert die Erste Stadträtin. Schließlich änderten sich ja nicht die Abmessungen des Schachts.

Ein Meter pro Sekunde 

20 Meter geht es in die Tiefe.

Die Tragfähigkeit des Lifts wird mit 1050 Kilogramm angegeben. Das reiche theoretisch für 14 Personen, sagt Uwe Zahnwetzer, praktisch sei etwas weniger Platz. Und mit einem Tempo von einem Meter pro Sekunde bewegt sich die Kabine künftig vertikal durchs Rathaus.

Gerhard Döring will beim Austragen der Hauspost künftig wieder den Lift benutzen. Es gebe aber Mitarbeiter, verrät er, die liefen immer die Treppen - egal ob der Lift in Betrieb ist oder gerade erneuert wird.

Von Sven Kühling

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