Über den Wipfeln ist viel Wind

50 Mio. Euro Investition: Städtische Werke planen Windräder bei Helsa

Helsa/Hessisch Lichtenau. Elektrischer Strom von den Bergen des Kaufunger Waldes – was heute noch wie eine Vision klingt, kann in drei Jahren Wirklichkeit sein. Die Städtischen Werke Kassel planen zwischen Helsa, Großalmerode und Hessisch Lichtenau einen Windpark.

Zwölf mächtige Windräder könnten bis zu 72 Gigawattstunden pro Jahr Elektrizität liefern – genug Strom, um etwa 21 000 Haushalte mit 63 000 Menschen dauerhaft zu versorgen. Die drei Kommunen würden zu Stromexporteuren und Anteilseignern an dem Kraftwerk. Das Interesse an dem Projekt, das die Städtischen Werke mit 50 Millionen Euro veranschlagen, ist nicht nur bei Helsas Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) groß.

Zu einem ersten Informationsabend der Werke in Helsa kamen mehr als 80 Bürger, darunter viele Gemeindevertreter. Die stellten den Experten zwar auch kritische Fragen, sie scheinen dem Mammutprojekt aber grundsätzlich positiv gegenüberzustehen.

Drei Höhenzüge im Bereich des Hirschbergs, des Rohrbergs und des Buchbergs haben die Werke als mögliche Standorte für den Windpark ausgeguckt.

„Der Wald ist der Standort, in den wir reinwollen“, sagte Werke-Vertreter Lars Rotzsche, der die Machbarkeitsstudie vorstellte. Der Eingriff in die Natur sei dort zu vertreten. Denn an den höchsten Stellen sei der Wald schon durch Orkane vorgeschädigt, die Infrastruktur durch die vorhandenen Holzlaster-Routen im Wald vorbereitet, meinte Rotzsche.

Bis zu 200 Meter Höhe

Allerdings werden die Windräder von Helsa, Eschenstruth und Wickenrode unübersehbar sein: Sie sollen bis zu 200 Meter in die Höhe ragen. 3000 Quadratmeter Fläche werden allein für einen Turm dauerhaft benötigt. „Es fällt einem Förster schwer, da mitzugehen. Aber ich kann es mir mittlerweile vorstellen“, sagte Bereichsleiter Günter Groß vom Forstamt Hessisch Lichtenau.

Die Bürger könnten sich mit einem Klimasparbrief oder durch Gründung einer Genossenschaft an dem Windpark beteiligen, sagte Roland Heibert von den Werken.

Den Sparbrief habe man in Kassel schon erfolgreich getestet. Rotzsche sprach von einer angepeilten Rendite von 4 bis 5 Prozent. Bis zur Baureife würden die Werke das finanzielle Risiko aber allein tragen.

Karl-Werner Scholz aus Waldhof gehörte zu denen, die kritische Fragen stellten. Er wollte wissen, warum angesichts der möglichen Umweltbeeinträchtigungen eine Anlage gebaut werde, die fast doppelt so viel Strom erzeuge, wie vor Ort benötigt werde. Das sei eine Frage der Wirtschaftlichkeit, entgegnete Rotzsche. Zwölf Anlagen seien das Maximum. Ob es am Ende wirklich so viele würden, sei noch offen.

Von Peter Dilling

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