Verkehrsentwicklungsplan Region Kassel 2030: Umstieg auf Rad und Regiotram

Kreis Kassel. 70.000 Menschen fahren jeden Tag aus dem Umland nach Kassel hinein und wieder heraus - die meisten davon mit dem Auto - und sorgen so für eine erhebliche Verkehrsbelastung. Wenn ein größerer Teil als bisher auf Busse und Bahnen umsteigen oder das Rad nutzen würde, wäre das eine erhebliche Entlastung.

Was für den Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel nötig ist, das haben Verkehrsexperten der Planersocietät (Dortmund) im Auftrag des Zweckverbands Raum Kassel untersucht und im Verkehrsentwicklungsplan Region Kassel 2030 formuliert. Ein erster Entwurf wurde jetzt vorgestellt.

Derzeit sind 11 Prozent der Verkehrsteilnehmer in der Region Kassel (Stadt und Umland) mit Bussen und Bahnen unterwegs, im Jahr 2030 könnte man bis zu 15 Prozent erreichen. Der Radverkehr soll von derzeit 4 Prozent auf 8 bis 11 Prozent erhöht werden. In dem Entwicklungsplan wird ein ganzes Bündel von Maßnahmen vorgeschlagen. Beschlossen sind sie alle nicht, sondern es handelt sich dabei um Ideen, die nun von der Politik geprüft und diskutiert werden müssen. Beispiele:

• Verlängerung der Tram nach Ihringshausen und Lohfelden, Bau einer Regiotram zum VW-Werk Baunatal, Einrichtung eines Expressbusses nach Schauenburg

• ein kundenfreundliches Ticketsystem mit monatlichen Abrechnungen nach dem Bestpreis-Prinzip könnte neue Kunden locken

• Bau von drei Express-Radstrecken von Baunatal, Kaufungen und Vellmar nach Kassel

• Ausweitung des Konrad-Fahrrad-Ausleihsystems auf das Umland

• Verleih von E-Bikes im Umland

• Bau von Bike-and-ride-Plätzen mit Fahrradboxen an Knotenpunkten.

Ende Juli sollen die Zweckverbandskommunen den überarbeiteten Planungsentwurf erhalten. Dann haben die Kommunalpolitiker vor Ort Gelegenheit, sich intensiv damit auseinanderzusetzen und eigene Vorstellungen einzubringen. Anfang 2015 soll der Verkehrsentwicklungsplan dann von der Verbandsversammlung des Zweckverbands beschlossen werden.

Was die Projekte kosten und wer dafür aufkommen muss, darüber werden in dem Plan keine Aussagen getroffen. Es handele sich um ein Entwicklungskonzept, wie man den Verkehr im Jahr 2030 gestalten wolle, sagte Planer Dr. Michael Frehn der HNA. Die Politik müsse daraus konkrete Projekte entwickeln. Der Verkehrsentwicklungsplan sei eine Absichtserklärung, sagte der Kasseler Baudezernent Christof Nolda (Grüne). Und: „Das ist kein Verhinderungskonzept.“ Man wolle auch in Zukunft Bewegung ermöglichen und dabei die Sicherheit auf den Straßen verbessern.

Von Holger Schindler

Hintergrund: Planer für Tramverlängerung und Expressbus

Anschluss von Ihringshausen, VW-Werk und Lohfelden ans Schienennetz – Bürgermeister äußern sich zurückhaltend

Die Dortmunder Planer haben vier Tram- und Busprojekte für den Speckgürtel Kassels untersucht.

• Tramverlängerung zum Bahnhof Ihringshausen. Die Planer halten dies für eine gute Idee. Der Aufwand sei relativ gering, die Nachfrage aber hoch. Die Tram könnte als Alternative zur Bahn Fahrgäste aus dem nördlichen Umland direkt in die Kasseler Innenstadt bringen. Bürgermeister Karsten Schreiber findet die Idee interessant, allerdings müsse man erst Trassenverlauf und Finanzierung klären. Gegen frühere Pläne, die Tram weiter und mitten durch die Ortsdurchfahrt von Ihringshausen zu führen, gab es erheblichen Widerstand.

• Expressbus von Kassel nach Schauenburg. Auch hierfür sehen die Planer gute Chancen. Die Nachfrage sei als gut einzuschätzen, der Aufwand zur Einrichtung der Strecke gering. „Einen Expressbus haben wir doch schon“, sagte Bürgermeisterin Ursula Gimmler der HNA. Er führe über die Umgehungsstraße nach Breitenbach und weiter. Einen neuen Expressbus etwa von Elgershausen direkt zum Königsplatz hält sie nicht für sinnvoll: „Viele müssen ja nach Wilhelmshöhe.“

• Regiotram-Anschluss vom Bahnhof Rengershausen zum VW-Werk. Von den Planern gibt es hierzu nur ein eingeschränktes Ja. Die Nachfrage sei hoch, allerdings seien dies ebenso die Kosten für Bau und Betrieb. Dies sieht auch Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub so: Die Strecke sei wohl nicht rentabel zu betreiben. Eine Berechnung gebe es zwar noch nicht, aber von einem jährlichen Defizit von einigen Hunderttausend Euro sei auszugehen.

• Tramverlängerung nach Lohfelden. Auch dieses Projekt halten die Planer nur bedingt für umsetzbar. Die Nachfrage sei mittelmäßig, die Kosten seien aber hoch. In Lohfelden gibt es Befürworter, aber auch vehemente Gegner des Projekts. Eine Machbarkeitsstudie geht von 280 000 zusätzlichen Fahrgästen aus, aber auch von 500 000 Euro jährlichen Mehrkosten für Lohfelden. Im Moment ruht das Projekt, die Gemeinde hat sich noch nicht endgültig festgelegt.

Die Tram-Projekte seien interessant, heißt es von der KVG. Nun müssten sich die Kommunen dazu äußern, dann könne die Wirtschaftlichkeit untersucht werden. (hog)

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