Interview: Burkhard Rexmann von der Energiegenossenschaft zu nachhaltiger Stromerzeugung in Kaufungen

Unabhängig sein von Konzernen

Setzt auf Windkraft: Die Kaufunger Energiegenossenschaft will sich an Windkraftanlagen im Kaufunger Wald beteiligen. Archivfoto: dpa

Kaufungen. Im Mai hat sich die Energiegenossenschaft Kaufungen gegründet. Sie will die Energiewende in der Lossegemeinde voranbringen: eine nachhaltige und preisgünstige Energieversorgung mit eigenem Netz, eigener Stromerzeugung und eigenem Vertrieb.

45 Bürger wurden damals sofort Mitglied und bescherten der Genossenschaft ein Startkapital von 22 500 Euro. Wir sprachen mit Vorstandsmitglied Burkhard Rexmann über die Perspektiven der Energiegenossenschaft.

Herr Rexmann, wo steht die Genossenschaft heute? Ist sie inzwischen beim Amtsgericht eingetragen?

Burkhard Rexmann

Burkhard Rexmann: Wir haben positive Signale erhalten, dass sie in Kürze eingetragen wird. Der Genehmigungsprozess ist kompliziert und langwierig. Wir mussten uns einer strengen Wirtschaftlichkeitsprüfung unterziehen. Inzwischen verfügt die Genossenschaft über 67 Mitglieder, die zusammen 83 Geschäftsanteile von je 500 Euro halten. Wir haben also über 40 000 Euro Kapital zusammenbekommen. Unser Ziel für das erste Jahr ist schon übertroffen worden. Wir rechnen jetzt damit, dass wir am Jahresende auf 100 Anteile kommen. Besonders stolz sind wir darauf, dass bisher nur 500 Euro für Verwaltungskosten aufgewandt wurden. Das Marketing, die Buchhaltung, Vertrags- und Versicherungsfragen erledigen wir ehrenamtlich.

Allein der Rückkauf des Stromnetzes vom Energieversorger Eon wird auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt, ganz zu schweigen von dem finanziellen Bedarf für eine Beteiligung an Windparkprojekten. Da sind 40 000 Euro doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Entmutigt Sie der bescheidene Anfang nicht?

Rexmann: Momentan benötigen wir das Geld noch nicht. Wie schnell der Kapitalstock wächst, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, zeigt das Beispiel der Energiegenossenschaft Wolfhagen. Die hat innerhalb weniger Wochen 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Mit unserem aktuellen Kapital und einem Kredit von 25 000 Euro finanzieren wir die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Bürgerhauses. Die Anlage mit einer Leistung von 33,5 Kilowattpeak soll in den nächsten Wochen in Betrieb gehen. Die Verträge mit der Firma Stiens und der Gemeinde Kaufungen sind unter Dach und Fach. Wir warten nun darauf, dass die Handwerker aufs Dach können.

Die Anlage, sozusagen das Pilotprojekt der Genossenschaft, sollte doch ursprünglich viel größer ausfallen. Warum haben Sie sie abgespeckt?

Rexmann: Da hat uns die drastische Senkung der Einspeisevergütung ins Kontor geschlagen. Wir mussten auf die Wirtschaftlichkeit und damit auf das Geld unserer Anleger achten.

Das Projekt für einen Windpark am Sensenstein hat sich zerschlagen. Womit wollen Sie nun den Strombedarf für Kaufungen decken?

Rexmann: Seit Längerem schon ist ein Windpark am Belgerkopf und am Bilstein, nahe dem Michelskopf, in Planung. Dort wird gerade die Beständigkeit des Windes überprüft. Eignet sich der Standort, können wir uns beteiligen.

Mit welchem Partner wollen Sie Windparkprojekte und die Energiewende realisieren?

Rexmann: Wir führen – wie die Gemeinde Kaufungen – gute Gespräche mit den Städtischen Werken Kassel. Das sind Leute, die die Energiewende wirklich wollen. Die Werke möchten hier einen eigenen Betrieb gründen, sozusagen die Städtischen Werke Kaufungen. An dieser Gesellschaft würden wir uns als Genossenschaft beteiligen, zusammen mit der Gemeinde Kaufungen. Es ist auch angedacht, dass wir uns an einem Bürgerbüro der Werke hier in Kaufungen beteiligen, vorausgesetzt, dass sich die Gemeinde für die Werke entscheidet.

Käme für Sie eigentlich auch der Energieversorger Eon als Partner infrage, der noch bis Ende des Jahres die Konzession für das Stromnetz in Kaufungen hat?

Rexmann: Wir wollen Stadtwerke und Bürgerbeteiligung, weg von den großen Konzernen und überdimensionierten Großprojekten. Deren Zeche, beispielsweise 170 Milliarden Euro Subventionen für Atomkraftwerke, zahlt am Ende der Steuerzahler, also wir. Großkonzerne sind gezwungen, hohe Gewinne zu erwirtschaften, während wir als Genossenschaft dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Die Zukunft gehört örtlichen Versorgungswerken, die für faire Energiepreise sorgen und zudem die Umwelt bewohnbar hinterlassen.

ZUR PERSON

„Energiewende. Visionen für Kaufungen“, öffentliche Veranstaltung der Energiegenossenschaft am Donnerstag, 27. September, 19 Uhr, Haferbachhalle Niederkaufungen.

Von Peter Dilling

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