Geschichtskreis Vellmar präsentiert neue Abteilung im Museum im Hof Helse

Ungarndeutsche Trachten ausgestellt

Tragen ungarndeutsche Trachten: Gabi Rümmel (von links), Heidi Lieberum, Heidi Gernand, Andrea Sertic-Braun, Ute Krug, Gabi Hirdes und Dörte Strube vom Vellmarer Volkstanzkreis 1984 traten beim Frühlingsfest des Geschichtskreises Vellmar auf. Fotos:  Wienecke

Vellmar. Dass jemand die ungarndeutschen Trachten noch tragen möchte, die sie kürzlich in das Heimatmuseum in Vellmar gab, damit hatte Kathi Englerth aus Ahnatal-Weimar eigentlich nicht gerechnet.

Sieben Frauen des Vellmarer Volkstanzkreises griffen den Vorschlag von Karl-Heinz Gauler vom Geschichtskreis jedoch gern auf und tanzten beim Frühlingsfest im Hof Helse in Obervellmar in historischer Kleidung. Weitere Trachten werden jetzt in einer neuen Abteilung im Museum präsentiert.

Zwar hatte der im Jahr 1984 gegründete Volkstanzkreis keine ungarndeutschen Tänze im Repertoire, doch die schwungvollen Darbietungen, die von Hans Lieberum und Anita Kuptz auf der Klarinette und dem Akkordeon begleitet wurden, sorgten auch so für begeisterten Applaus.

„Ich habe großen Respekt vor der Tradition“, sagt Gabi Rümmel, die eine weiße Bluse und eine blaue Schürze trug. „Man bewegt sich anders in dieser würdevollen Tracht“, meinte sie. Gabi Hirdes, die Vorsitzende des Volkstanzkreises, gestattete sogar einen kurzen Blick auf den gestärkten Unterrock. „Meine Oma hat die Sachen genäht, meine Mutter hat sie bestickt“, berichtete Kathi Englerth. Nachdem die Trachten den Frauen gut passen und gefallen, dürfen sie sie auch behalten.

Sie selbst hat nach dem Tod ihrer Mutter nur noch eine lila Tracht im Schrank, alle anderen Erinnerungsstücke werden ab sofort im Hof Helse in einer Dauerausstellung gezeigt. Museumsleiter Karl-Heinz Gauler hat die neue ungarndeutsche Abteilung mit dem Ehepaar Englerth liebevoll dekoriert und beschriftet.

Nur vorübergehend wird hingegen die Sonderausstellung mit historischen Ansichtskarten gezeigt. Der Sammler Peter Lütge aus Vellmar, der vor einiger Zeit bereits Vellmarer Motive zeigte, hat anlässlich der 1100-Jahr-Feier von Kassel 50 Motive herausgesucht. Sie sind als vergrößerte Farbkopien noch bis Sonntag, 23. Juni, im Ausstellungsraum zu sehen.

Die Sammlung des Geschichtskreises Vellmar im Hof Helse in der Alten Hauptstraße 22 in Obervellmar ist jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr sowie nach Absprache geöffnet. Kontakt und Führungen: Karl-Heinz Gauler, Tel. 0561/82  39  85.

Hintergrund: Ungarndeutsche aus Csibrák

Im Jahr 1723 siedelten sich 30 deutsche Familien aus dem Raum Stuttgart in Csibrák an. Sie fuhren mit Flößen auf der Donau nach Ungarn. Der Ort liegt 70 Kilometer vom Plattensee entfernt. Nach der Potsdamer Konferenz 1945 siedelte Ungarn die Deutschstämmigen aus. Mit höchstens 50 Kilogramm Gepäck pro Person kamen über 800 Menschen in Güterwaggons an. Im Juni 1946 begann die Neueingliederung im Landkreis Kassel. (pbw)

Von Bettina Wienecke

Frühlingsfest des Geschichtskreises Vellmar

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