Lotteriegewinn und nur Ärger: Ein Ehepaar und sein Katastrophenhaus

Wollen den Ärger während der Bauzeit jetzt möglichst schnell vergessen: Frank Spahn und Ehefrau Karin stehen vor ihrem schmucken Eigenheim in Lohfelden. Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. Bei der "Aktion Mensch" gewann das Ehepaar einen Betrag von 500.000 Euro - das sollte für die Lohfeldener der Startschuss für ein neues und barrierefreies Eigenheim sein. Doch statt einem Leben in Ruhe und Frieden brachte der Bau viel Ärger und Gerichtsverfahren.

Wenn das kein Glück ist: Am 15. April 2006 erhielten Frank und Karin Spahn von der „Aktion Mensch“ die Nachricht, dass sie mit ihrem Dauerlos umgerechnet 500 000 Euro gewonnen haben. Die langjährigen Wohnungsmieter aus dem benachbarten Kasseler Stadtteil Forstfeld entschlossen sich, für den größten Teil der Gewinnsumme am Lindenberg in Lohfelden ein eigenes Haus zu errichten.

Wer aber glaubt, dass die Rentner mit diesem Schritt alles richtig gemacht haben und ihr Leben nach vielen Jahren im Beruf am Ortsrand von Lohfelden in Ruhe und Frieden verbringen können, hat sich geirrt. Der Hausbau brachte den Eheleuten Spahn sehr viel Ärger mit dem Architekten und Bauunternehmen sowie mehrere Gerichtsverfahren ein. Schuld daran sind Höhenunterschiede zwischen Haus, Straße und Garage, die einen behindertengerechten Zugang zum Altersruhesitz unmöglich machen.

„Wir sind fertig mit den Nerven“, sagt Frank Spahn, der die wesentlichen Prozesse vor dem Amts- und Landgericht verloren hat. Der frühere VW-Mitarbeiter beklagte, dass der Architekt mangelhaft geplant hat. Statt das Haus ebenerdig und damit barrierefrei zu errichten, sei das Bauwerk fast 15 Zentimeter zu hoch gebaut worden. Dieser Argumentation folgte das Landgericht auch aufgrund der Aussagen des Planers nicht. Es gebe keine Vereinbarung über einen ebenerdigen Zugang. Der gehe aus den Planunterlagen auch nicht hervor, urteilte die Justiz. Zuvor schon war Frank Spahn in einem Prozess mit dem Bauunternehmen wegen der Auszahlung einer bestrittenen Rechnung aus diesen Gründen auf der Strecke geblieben.

Sein größter Fehler sei gewesen, keinen schriftlichen Vertrag mit dem Planer und Bauleiter abzuschließen. „Das hätte mir nicht passieren dürfen“, aber damals sei alles viel zu schnell gegangen, sagt Frank Spahn heute. Für den Losgewinner und Bauherrn stellt sich der Hausbau im Rückblick „als eine einzige Katastrophe dar“. Und weiter: Weil der Architekt das Haus mit „viel zu kleinen Steinen“ bauen ließ, musste ein wesentlich dickerer und damit viel teurerer Putz aufgebracht werden.

Ärger, Gerichtsverfahren, Anwälte

Ärger habe es auch wegen eines nicht geplanten Sturzes über dem Eingang und mit einer Heizungsfirma aus Norddeutschland gegeben. „Als wir 15 000 Euro angezahlt hatten, meldete die von unserem Architekten empfohlene Firma Konkurs an“, sagten die Eheleute, die allein bei diesem Vorgang mehr als 10 000 Euro draufgelegt haben.

Obwohl Frank Spahn immer noch davon überzeugt sind, die Abweichungen von der Höhenlage belegen zu können, will er nicht mehr prozessieren: „9000 Euro an Gerichtskosten für Anwälte und Gutachter sind genug“, sagte der Rentner, der den wegen der Beweisführung seit vier Jahren unvollendeten Hauseingangsbereich jetzt fertigstellen lassen will, um den Altersruhesitz trotz der Stufen vor dem Gebäude und der Höhendifferenz zur Garage dennoch gemeinsam mit seiner Ehefrau genießen zu können.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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