Studentenprojekt: Demografischer Wandel im Kreis Kassel

Hier wird es für alte Menschen Probleme geben

Den demografischen Wandel im Blick: Tobias Schäfer zeigt eine Karte mit Bushaltestellen und Wohngebieten. Die Kreise bezeichnen den Umkreis von 200 Metern von der Haltestelle. Der rote Fleck (rechts oben) symbolisiert ein Quartier mit Senioren, für die der Bus zu weit weg ist. Foto: Dilling

Kreis Kassel. So manches Neubaugebiet, das Landkreis-Gemeinden früher ausgewiesen haben, ist in die Jahre gekommen. Wo einst junge Familien wohnten, sind die Kinder längst ausgezogen, die zurückbleibenden Eltern sind nun im Rentenalter.

Wenn die Kommune auf diesen demografischen Wandel nicht reagiert, kann das für die Bewohner fatal sein. Die Bushaltestelle, die früher leicht erreicht wurde, kann nun für den Rollatorbesitzer nur noch mühsam erreichbar sein.

Pilotkommunen

Solche Schwachstellen deckt ein Projekt von Studenten der Uni Kassel, Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung auf, das noch heute, Donnerstag, im Gebäude des Fachgebiets Henschelstraße 2 in Kassel zu besichtigen ist. Eine Gruppe von elf Studenten aus verschiedenen Semestern hat in fünf Pilotkommunen, darunter Fuldabrück, Fuldatal und Baunatal, die Einwohnermeldedaten und Infrastrukturdaten abgefragt und in ein Computermodell übertragen.

Das System zeigt jeder Kommune, wo viele ältere Menschen wohnen und ob sie genügend Einrichtungen in ihrer Nähe haben. Dieses geografische Informationssystem veranschauliche die Datenflut und helfe Bürgermeistern und Planern bei Entscheidungen, sagte der Masterstudent Tobias Schäfer.

Die mithilfe des Systems hergestellten und ständig aktualisierten Landkarten seien so anschaulich, dass sie auch helfen könnten, Entscheidungsprozesse in Gemeindevertretungen zu beschleunigen oder Investoren anzulocken, sagte Schäfer. Wer beispielsweise einen Supermarkt bauen wolle, sehe auf einen Blick, mit wie viel Kundschaft er rechnen könne. Man werde den am Projekt beteiligten Gemeinden anbieten, dort das System einzuführen.

Dieses Angebot ist anscheinend willkommen. Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) schätzt das Projekt der Studenten als „sehr hilfreich“ ein. Er werde das Programm dem neuen Demografiebeauftragten der Stadt, Heinz Kaiser, an die Hand geben. Baunatal habe aber bereits viel getan, um seine Infrastruktur den Bedürfnissen der älter werdenden Einwohner anzupassen, sagte Schaub. Er verweist unter anderem darauf, dass sich die Stadt mit einem Darlehen von 360 000 Euro am Bau von seniorengerechten Wohnungen am Stadtpark beteiligt habe. Man würde auch eigene Wohnungen bauen, wenn das die Gemeindeordnung nicht untersagte. Weiterhin habe man ein Netzwerk von Einrichtungen und Organisationen für Ältere geschaffen.

Auch Fuldabrücks Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD) will die Möglichkeiten des geografischen Informationssystems nutzen. Gerade in Dörnhagen wachse der Anteil von Älteren in den Neubaugebieten ständig. Man habe bereits mehr als 20 Bushaltestellen behindertengerecht umgebaut und unterstütze seit Jahren Formen altengerechten Wohnens, sagte der Bürgermeister.

Hintergrund

Anteil der Älteren wächst rasant

Der Anteil der Einwohner, die 65 Jahre oder älter sind, lag im Landkreis Kassel 2001 noch bei rund 18 Prozent. Zehn jahre später waren es bereits 23 Prozent. 2030 wird fast jeder Dritte Landkreisbewohner so alt sein. Gleichzeitig sinkt die Einwohnerzahl im Landkreis nach einer Prognose bis 2030 um 25 000 Menschen. Der Landkreis steuert dagegen, indem er mit einem Servicezentrum den ländlichen Raum stärken und ein Ausbluten der Dörfer verhindern will. (pdi)

Von Peter Dilling

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