Besucher in Wellerode sind erbost

Grabplatten kaum noch zu finden: Unkraut auf Friedhof sorgt für Unmut

+
Unkrautwiese auf Friedhof Wellerode: Bernd Gerecke zeigt auf das Urnengrab seiner Frau. Von den Wegen aus kann man die Gräber häufig vor lauter Gras und Unkraut nicht mehr erkennen, beschweren sich immer mehr Welleröder.

Söhrewald. Besucher des Friedhofs in Wellerode sind erbost. Das Unkraut wächst nahezu ungehindert empor. Die Folge: Manche Grabplatten sind kaum noch zu finden.

Eigentlich sollte es ein Ort der Trauer und der Ruhe sein. Doch wenn Bernd Gerecke den Friedhof in Wellerode betritt, um das Grab seiner verstorbenen Frau zu besuchen, packen ihn ganz andere Gefühle: Zorn und Wut. Denn immer wieder muss er beobachten, wie das Wiesenurnengelände regelrecht im Unkraut versinkt.

„Nur alle drei bis vier Wochen wird hier gemäht. Anscheinend immer erst, wenn es sich richtig lohnt“, ärgert sich Gerecke. Eigentlich müsse im Sommer mindestens alle ein bis zwei Wochen gemäht werden, meint der Rentner.

„Im Frühjahr wollte mein Schwager das Grab meiner Frau besuchen“, erzählt Gerecke. Jedoch habe er die Ruhestätte partout nicht finden können. „Er hat mich angerufen, nachdem er den ganzen Friedhof abgesucht hatte.“ Denn folgt man den Wegen entlang der Kapelle, liegt das Urnenfeld rechter Hand. Aber von den Gräbern ist aus dieser Perspektive oft nichts zu sehen, weil Gras und Unkraut die ohnehin tiefer liegenden Grabplatten überwuchern.

„Auch andere Besucher ärgern sich maßlos über die Zustände hier“, weiß der Rentner. Es sehe schlimmer aus als auf einem Tierfriedhof.

An die Friedhofsverwaltung der Gemeinde haben sich er und andere Besucher schon mehrfach gewandt - jedoch mit wenig Erfolg. „Dort sagt man uns immer, dass die Beschwerden weitergeleitet werden. Aber es tut sich einfach nichts.“

Damit die Gräber nicht völlig vom Unkraut überwuchert werden, bringen die Friedhofsbesucher schon eigene Scheren mit, um wenigstens die Grabplatten freizuschneiden, weiß Gerecke.

Freigeschnitten: Mit einer Schere befreit Bernd Gerecke die Grabplatte regelmäßig vom Unkraut.

Besonders verärgert ist der Rentner auch darüber, dass er für die Pflege der Grabstätte eine jährliche Gebühr über 20 Euro an die Gemeinde Söhrewald bezahlt. „Mir wurde zugesagt, dass die Gemeinde das Urnenfeld in Schuss hält.“ Das bestätigt auch die Angabe zur Friedhofsunterhaltungsgebühr in der Gebührenordnung der Gemeinde.

Gerade weil die Angehörigen diese Gebühr an die Gemeinde entrichten, lege man besonderes Augenmerk auf die Pflege der Friedhöfe, sagt Bürgermeister Michael Steisel (SPD) auf HNA-Anfrage. Die Gemeinde wisse um die Probleme in Wellerode, jedoch handele es sich dabei lediglich um Momentaufnahmen, keinesfalls um einen Dauerzustand. „Wir kommen bei dem warmen, regnerischen Wetter mit dem Mähen einfach nicht hinterher.“ Schließlich habe die Gemeinde vier Friedhöfe zu pflegen. „Da kann es schon mal passieren, dass auf den Wiesenflächen das Gras etwas höher wächst.“ Vom Gemeindebauhof, der die Pflege des Friedhofs übernimmt, bekamen wir keine Stellungnahme.

Bernd Gerecke hofft, dass sich vielleicht durch die Veröffentlichung etwas an der Situation ändert. „Es kann nicht sein, dass ich eine Schere mitbringen muss, wenn ich das Grab meiner Frau besuche. Da muss etwas passieren.“

Von Carolin Hartung

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.